Risikogen für Gallensteine gefunden

Bild: Gallensteine

Bei Gallensteinen spielt nicht nur
die Ernährung eine wichtige Rolle,
sondern auch die Gene; © Stell98

Jeder zehnte Europäer trägt nach Schätzungen diese Variante in seinen Erbanlagen. Bei den Betroffenen entwickelt sich im Laufe des Lebens zwei- bis dreimal so häufig ein Gallenstein. Das Gen enthält die Bauanleitung für eine molekulare Pumpe, die Cholesterin aus der Leber in die Gallenwege befördert - der Stoff, aus dem die meisten Gallensteine entstehen. Die genetische Veränderung bewirkt augenscheinlich, dass diese Pumpe permanent auf Hochtouren läuft.

Gallensteine sind häufig: 15 bis 20 Prozent aller Deutschen sind betroffen - meist ohne es zu merken. Bei einem Viertel von ihnen melden sich die Steine aber irgendwann mit schmerzhaften Koliken zu Wort. Gallensteine treten familiär gehäuft auf. Insbesondere Zwillingsstudien sprechen für eine genetische Komponente, die das Erkrankungsrisiko erhöht. "Wir gehen davon aus, dass die Erkrankung zu 70 bis 80 Prozent durch Umwelteinflüsse wie eine falsche Ernährung verursacht wird", erklärt der Bonner Internist Professor Dr. Frank Lammert. "Der Rest ist eine Frage der Gene."

Die Forscher hatten nach den beteiligten Erbanlagen gefahndet - mit Erfolg: 178 Frauen und Männer aus 84 Familien nahmen an der Studie teil. Alle litten unter Gallensteinen. In 21,4 Prozent der Fälle waren die Betroffenen Träger einer bestimmten Genvariante. In gesunden Vergleichspersonen kam diese Variante zwar auch vor, allerdings nur mit einer Häufigkeit von 8,6 Prozent.

"Die Mutation betrifft das so genannte ABCG8-Gen", erklärt Dr. Dr. Frank Grünhage von der Universität Bonn. "Es enthält die Bauanleitung für eine Pumpe, die das Blutfett Cholesterin aus der Leber in die Gallenwege befördert. Die Veränderung sorgt wahrscheinlich dafür, dass die Pumpe permanent auf Hochtouren läuft", vermutet der Mediziner.

Die Forscher hoffen nun, dass ihr Fund auch Auswirkungen auf Prävention und Therapie hat: "Möglicherweise kann man bestimmten Patienten zukünftig mit Medikamenten helfen und damit eine Operation verhindern", erklärt Lammert.

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn