Risikopatienten profitieren von Hybridverfahren

Foto: CT-Bild nach thorakoabdomineller Hybridoperation.

Zur genauen Bewertung des neuen
Verfahrens muss weiter geforscht
werden; © DKFZ Heidelberg

Bei dem neuen operativen Verfahren, Hybridoperation genannt, werden Prothesen (Stentgrafts) über die Leistenarterie in die erkrankte Aorta eingeschoben; bei der Standardoperation müssten Brust- und Bauchhöhle des Patienten eröffnet werden. Zwischen Januar 2001 und Juli 2007 wurden im Heidelberger Universitätsklinikum insgesamt mehr als 1.700 Patienten an einer Aortenerkrankung operiert, davon 78 Patienten wegen eines thorakoabdominellen Aneurysmas, 50 von ihnen mit dem herkömmlichen, 28 mit dem neuen Verfahren.

Die neue Operationstechnik wurde dabei gezielt bei denjenigen Patienten angewandt, für die das Standardverfahren ein zu hohes Risiko bedeutet hätte, weil sie in fortgeschrittenem Alter oder bereits an der Hauptschlagader voroperiert waren beziehungsweise an Bluthochdruck, koronarer Herzkrankheit, Lungenfunktionsstörungen, Herz- oder Niereninsuffizienz litten.

Das Hybridverfahren kommt mit einem Bauchschnitt aus. Es kombiniert die Umleitung von Blutgefäßen, die von der erkrankten Aorta zu Nieren, Leber und Darm abgehen, mit dem Einschieben einer Endoprothese in die Hauptschlagader, meist aus einer der beiden Leistenarterien heraus.

Computertomographische Aufnahmen vor der Operation ermöglichen eine maßgeschneiderte Konstruktion der Endoprothesen für jeden Patienten. Durchschnittlich wurden jedem Patienten drei Endoprothesen implantiert. Das Verfahren erspart den Risikopatienten die Öffnung ihres Brustkorbes, den künstlichen Herzstillstand sowie das Abklemmen der Aorta und minimiert den Blutverlust.

Da das neue Verfahren bisher nur bei Hochrisikopatienten angewandt wurde, könne die Sterblichkeitsrate nicht direkt mit der des Standardverfahrens verglichen werden, erklärt Professor Dittmar Böckler, kommissarischer Ärztlicher Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie. Der Schlüssel zum Erfolg liege in der richtigen Auswahl der Risikopatienten.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg