Studien haben gezeigt, dass alkoholische Getränke, vor allem Spirituosen und Bier, den Blutdruck ansteigen lassen können. Der Effekt von Rotwein auf den Blutdruck ist dagegen weitgehend unklar. Die Haut der Trauben enthält nämlich Polyphenol-Flavonoide, welche möglicherweise den Effekt der Nitrate auf die Vasodilatation unterstützen und damit potentiell eher blutdrucksenkend wirken sollten. Außerdem hemmt Rotwein die Synthese von Endothelin-1, einem potenten Vasokonstriktor.

Um die Auswirkungen von Rotwein auf den Blutdruck näher zu beleuchten, unterzogen sich jetzt 28 gesunde, normotensive Männer einem heldenhaften vierwöchigen Versuch: In randomisierter Reihenfolge blieben sie jeweils eine Woche lang nüchtern beziehungsweise tranken eine Woche lang täglich 375 ml Rotwein beziehungsweise 375 ml alkoholfreien Wein beziehungsweise 1,125 ml Bier.

Der systolische und diastolische Blutdruck sowie die Herzfrequenz blieben während der alkoholfreien Woche beziehungsweise der Woche mit alkoholfreiem Rotwein ähnlich niedrig. Im Vergleich zur Abstinenz erhöhten sowohl "richtiger" Rotwein als auch Bier den systolischen beziehungsweise diastolischen Blutdruck um durchschnittlich 2,9 beziehungsweise 1,9 mmHg (p kleiner 0.05). Die Herzfrequenz stieg um durchschnittlich 5,0 beziehungsweise 4,4 Schläge pro Minute (p kleiner 0.05). Keine der Getränkearten hatte einen Einfluss auf die Dilatation der Gefäße. Außerdem zeigte sich, dass der Blutdruck nach Alkoholgenuss vor allem während des Tages anstieg, die Herzfrequenz vor allem nach Alkoholgenuss in der Nacht.

Daraus folgt, dass die unbestreitbar im Rotwein enthaltenen Polyphenole den Blutdruck nicht senken. Dies steht allerdings jenen Befunden nicht entgegen, die dem Rotwein einen kardioprotektiven Effekt zuschreiben. Nur: Auf einer blutdrucksenkenden Wirksamkeit beruht dieser Effekt jedenfalls nicht.

MEDICA.de; Quelle: Hypertension 2005, Vol. 45, S. 1-6