Die Privatdozentin Dr. Dr. Anette Melk, Heidelberger Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin wurde mit dem mit 10.000 Euro dotierten Preis ausgezeichnet, der nach dem Pionier der Transplantationsmedizin in Deutschland benannt ist. Mit diesem Preis werden hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Transplantationsmedizin gewürdigt.

Wenn eine Niere nach einer Transplantation ganz allmählich ihre Funktion verliert, sprechen Mediziner von einer chronischen Transplantatnephropathie (Chronic Allograft Nephropathy, CAN). Die Heidelberger Wissenschaftlerin führt zwei Argumente für ihre neue Hypothese an: "Zellen von Nieren mit CAN haben Gemeinsamkeiten mit den Zellen älterer gesunder Nieren", so Dr. Melk. Zudem hebt ein höheres Alter des Spenders - wenn die Zellen also bereits Alterserscheinungen zeigen - das Risiko für das Auftreten einer CAN. "Daher vermuteten wir, dass die Nierenzellen nach der Transplantation beschleunigt altern und das Transplantat dadurch seine Funktion verliert", erklärt Dr. Melk.

Die Wissenschaftlerin verglich Gewebe geschädigter Nieren mit Proben, die demselben Organ zum Zeitpunkt der Transplantation entnommen worden waren. Dabei stellte sie fest, dass in Zellen der CAN-Nieren große Mengen des Zellzyklusinhibitors p16 nachweisbar waren, der beim Alterungsprozess der Nieren eine Rolle spielt. Die Produktion des Proteins ging sogar noch über die Menge hinaus, die in gesunden Nierenzellen während des Alterungsprozesses gebildet wird. Bei transplantierten Nieren ohne CAN war der p16-Gehalt dagegen unauffällig.

Die Entdeckung bereitet den Weg für künftige Therapien: "Da wir nun einen möglichen Mechanismus kennen, ist es vorstellbar, die frühe Alterung der Spendernieren zu blockieren und damit die chronische Transplantatnephropathie zu verzögern oder sogar zu verhindern", so Dr. Melk. Immerhin überlebten transplantierte Nieren von Mäusen, die kein p16 bilden können, deutlich länger als von solchen mit p16.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg