Bei etwa 20 Prozent aller Patienten mit Prostatakarzinom, die radiotherapeutisch behandelt werden, kommt es nach der Bestrahlung zu einem starken Anstieg des Prostata-spezifischen Antigens (PSA). Unklar ist die Bedeutung dieses Phänomens, das im englischen Sprachraum als "posttreatment PSA bounce phenomenon" bezeichnet wird.

Wissenschaftler vom Fox Chase Cancer Center in Philadelphia, Pennsylvania, USA, haben dies nun näher untersucht. Sie nutzten dazu die Daten von 4.839 Männern mit Prostatakarzinom, die mit Radiotherapie behandelt wurden.

Bei 978 Patienten (20 Prozent) kam es nach der Bestrahlung tatsächlich zu einem Bounce, die PSA-Werte stiegen drastisch an: um mindestens 0.4 ng/mL innerhalb von sechs Monaten, gefolgt von einem Abfall des PSA-Wertes. Interessant dann das Ergebnis zehn Jahre später: 58 Prozent jener Männer, deren PSA-Wert ein Jahrzehnt zuvor stark gestiegen war, zeigten aktuell keinerlei biochemische Anzeichen der Prostataerkrankung. Erstaunlicherweise war dies bei jenen Patienten, deren PSA-Wert nach der Bestrahlung nicht angestiegen war, ganz anders: 72 Prozent dieser Männer hatten zehn Jahre später tatsächlich labormedizinische Anzeichen eines Rezidivs.

Allerdings hatten auch diese Ergebnisse keinerlei Bedeutung für die metastatische Ausbreitung des Tumors, die krankheitsspezifische Mortalität oder die Gesamtmortalität. Keiner dieser Parameter zeigte irgendeinen signifikanten Zusammenhang mit einem „bounce“ zehn Jahre zuvor.

Die Studienleiter folgern daraus, dass weder Arzt noch Patient beunruhigt sein sollten, falls nach einer Bestrahlung der PSA-Wert wieder ansteigt. Aus dem gleichen Grund sei es nicht indiziert, zur hormonellen Therapie zu greifen, bevor ein Tumorrezidiv eindeutig gesichert sei.

MEDICA.de; Quelle: Cancer 2006, Vol. 107, S. 1496-1502