Dafür streben sie eine neue Technologie an, die auf „kaltes“ Plasma setzt. Nicht nur in der Zahnheilkunde könnte dieses Verfahren erfolgreich sein – nicht nur medizinisch, sondern auch wirtschaftlich.

Karies und Parodontitis stellen die Zahnmedizin noch immer vor Probleme. Wissenschaftler aus Leipzig möchten nun neue Wege in der Zahnheilkunde beschreiten: Mit der Plasmajettechnologie, die mit Atmosphärendruck arbeitet. Damit könnten Zahnschmelz, Dentin und Wurzelzement schonend und preiswert bearbeitet werden. Als Handwerkszeug dient dabei ein sogenannter Plasmajet, ein gerichteter Nichtgleichgewichts-Plasmastrahl. Aufgrund der geringen Temperatur des Plasmastrahls sprechen Experten von „kaltem“ Plasma – im Gegensatz zu heißen Plasmen, die beispielsweise in Blitzen vorkommen. Der Plasmajet ist sehr flexibel, lokal wirksam und könnte sich in Anschaffung und Betrieb als preiswerte Alternative zu teuren Verfahren erweisen.

Entwickelt wurde der Plasmajet im Institut für Oberflächenmodifizierung (IOM) in Leipzig. Nach mehr als zehn Jahren auf dem wissenschaftlichen Prüfstand kann die Plasmajettechnologie nun auch industriell genutzt werden. Laut PD Dr. Axel Schindler vom IOM wurde inzwischen der Reifegrad zur Überführung in die industrielle Praxis erreicht. „Die neukonzipierte Miniaturversion mit gaussförmigem Strahlquerschnitt eignet sich besonders für potenzielle Anwendungen zur medizinischen Therapie“, so Schindler.

Dass sich die Plasmajettechnologie in der Zahnheilkunde erfolgreich für prophylaktische und therapeutische Maßnahmen nutzen lässt, soll nun in einem Schlüsselexperiment unter Beweis gestellt werden. Geprüft werden sollen in dem dreijährigen Forschungsvorhaben verschiedene therapeutische Ansätze zu Karies und Parodontitis. Darüber hinaus erhoffen sich die Forscher aus Leipzig eine ganze Reihe von Einsatzmöglichkeiten des Plasmajets in der Prophylaxe und der Prävention von Zahnkrankheiten.

Ein aussichtsreicher Therapieansatz – der nicht nur für die Zahnheilkunde interessant ist, sondern sich auch in Chirurgie und Dermatologie bewähren könnte.

Das Projekt ist einer der Gewinner des Innovationswettbewerbs Medizintechnik 2006 und soll vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit bis zu 300.000 Euro für die Durchführung eines Schlüsselexperiments gefördert werden.