Süßes Gesicht wirkt im Kopf

Foto: Kopf eines Babys

Große Augen und runde Wangen
wirken bei Babys oft niedlich; © SXC

Das als niedlich empfundene Kindchenschema beinhaltet eine Reihe kindlicher Körpermerkmale, zum Beispiel einen großen Kopf mit hoher Stirn, runden Wangen und großen Augen. Zahlreiche Verhaltensstudien bestätigen die Wirkung des Kindchenschemas auf Erwachsene. So hat vor kurzem bereits ein Forscherteam um Melanie Glocker vom Institut für Neuro- und Verhaltensbiologie der Universität Münster gezeigt, dass Kinder, die stärker dem Kindchenschema entsprechen, die Bereitschaft steigern, sich fürsorglich zu verhalten. Diese Reaktion ist bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern, obwohl beide Geschlechter die Niedlichkeit gleichermaßen wahrnehmen.

Über die neurobiologischen Grundlagen dieses sozialen Instinkts war bisher jedoch wenig bekannt. In einer neuen Studie zeigen die Neurowissenschaftler Melanie Glocker und Professor Norbert Sachser nun erstmalig, was sich im Gehirn als Reaktion auf das Kindchenschema abspielt.

Glocker manipulierte für die Studie Babyfotos mit einem speziellen Bildbearbeitungsprogramm. Dadurch entstanden neben dem Originalfoto jeweils Portraits mit niedrigeren und höheren Kindchenschema-Werten - dasselbe Baby wurde beispielsweise mit größeren oder kleineren Augen ausgestattet oder mit einem besonders runden oder eher schmalen Kopf. Frauen, die noch keine Kinder geboren hatten, betrachteten diese Kindergesichter. Dabei wurde ihre Hirnaktivität mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie gemessen.

Die Forscher fanden eine ansteigende Aktivität mit zunehmendem Kindchenschemagehalt im Nucleus accumbens, einer Hirnregion, die als Belohnungszentrum bekannt ist. Sie vermittelt motiviertes Verhalten, das nach Belohnung strebt, löst Glücksgefühle aus und spielt unter anderem auch bei Drogensucht eine Rolle. Daneben sprechen noch weitere Hirnregionen auf das Kindchenschema an, unter anderem Areale, die bei Gesichterverarbeitung und Aufmerksamkeit eine Rolle spielen.

MEDICA.de; Quelle: Westfälische Wilhelms-Universität Münster