SPECT zeigt Knochenveränderungen im Frühstadium

Foto: SPECT-Aufnahme

In der SPECT erkennt man einen
deutlich gesteigerten Knochen-
stoffwechsel; © Universität
Düsseldorf

In der Rheumatologie hat sich in den letzten Jahren ein Paradigmenwechsel vollzogen: Patienten werden zunehmend früher, individueller und intensiver therapiert. Damit soll vermieden werden, dass langfristige Folgeschäden der rheumatischen Erkrankung auftreten, wie etwa Schäden an Knochen und Gelenken. Für die Radiologie haben sich die Anforderungen dadurch ebenfalls geändert: Immer häufiger geht es bei der Bildgebung von Rheumapatienten um die Frage, ob moderne Therapien anschlagen oder nicht und zwar zu einem Zeitpunkt, zu dem die Rheuma-typischen Knochenveränderungen noch gar nicht vorliegen.

„Mit Ultraschall oder Magnetresonanztomografie können auch kleinere Veränderungen am Gelenk bereits relativ früh erkannt werden“, betont Professor Axel Scherer vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. „Aber erst nuklearmedizinische Verfahren wie etwa die SPECT-Untersuchung gestatten es, funktionelle Veränderungen sichtbar zu machen. Damit können wir beispielsweise Probleme des Knochenstoffwechsels erkennen, noch bevor fassbare Schäden auftreten.“

Scherer und seine Mitarbeiter haben SPECT und die Magnetresonanztomografie (MRT) in einer klinischen Studie bei zehn Patienten mit frühem Rheuma („rheumatoide Arthritis“) direkt miteinander verglichen. Die Untersuchungen erfolgten zweimal, zu Beginn der Therapie und nach sechs Monaten Behandlung mit einem typischen Rheumamedikament (Methotrexat).

Bei der SPECT-Untersuchung wird den Patienten eine mit Technetium markierte, phosphonathaltige Substanz (Tc99m-DPD ) gespritzt. Phosphonat (und damit das mittels SPECT nachweisbare Technetium) werden in den Knochen eingebaut und zwar vor allem dort, wo Umbauprozesse stattfinden. Dies ist in der Umgebung der vom Rheuma betroffenen Gelenke der Fall. Zwei Stunden nach Injektion wird die Verteilung des Technetiums per SPECT gemessen. Erhöhte Werte deuten darauf hin, dass Osteoblasten und Osteoklasten, also jene Zellen, die den Knochen auf- und abbauen, überdurchschnittlich aktiv sind. Bei jedem Patienten wurden vier Fingergrundgelenke untersucht, insgesamt also 40 Gelenke.

„Einen erhöhten Knochenstoffwechsel haben wir auch in solchen Gelenken gefunden, die in der MRT völlig normal aussahen. Die SPECT liefert demnach schon früh Informationen über drohende Knochenschäden. Das kann für die Therapie sehr relevant sein“, so Scherer. In der Studie fand sich vor Therapie bei mehr als der Hälfte der untersuchten Gelenkportionen eine Erhöhung der Tc99m-DPD-Aufnahme. Die MRT zeigte lediglich bei 70 Prozent dieser Gelenke eine Entzündung der Gelenkhaut (Synovialitis). Jene Patienten, bei denen sich trotz Therapie Knochenschäden entwickelten oder verschlechterten, hatten zuvor ausnahmslos eine erhöhte Tc99m-DPD-Aufnahme.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Röntgengesellschaft