MEDICA.de: Was genau passiert mit unserem Körper im Falle einer Frühjahrsmüdigkeit?

Prof. Zulley: Meines Erachtens ist der Hauptgrund für die Frühjahrsmüdigkeit eine Reaktion unseres Körpers, der sich auf das neue Wetter einstellt. Wenn sich das Klima von den kalten Wintertagen auf die warme Jahreszeit ändert, muss der Organismus seinen Wärmehaushalt umstellen.

Im Winter hat der Mensch eine niedrigere Kerntemperatur als im Sommer. Der Körper erwärmt sich in den Frühlingsmonaten und die Blutgefäße erweitern ihren Durchmesser, was wiederum den Blutdruck sinken lässt. Durch den niedrigen Blutdruck fühlen wir uns müde und schlapp.

MEDICA.de: Wie viele Menschen leiden daran? Gibt es wissenschaftlich fundierte Zahlen?

Prof. Zulley: Konkrete Zahlen kann ich Ihnen leider nicht nennen. Es ist jedoch so, dass Frauen unter der jahreszeitlichen Umstellung mehr leiden als Männer, tendenziell haben ältere Menschen und Jugendliche mehr mit der Frühjahrsmüdigkeit zu kämpfen als Kinder. Natürlich sind Menschen, die generell einen niedrigen Blutdruck haben, stärker betroffen als andere.

MEDICA.de: Wie kann man der Frühjahrsmüdigkeit entgegenwirken?

Prof. Zulley: Da sie durch eine natürliche Anpassungsreaktion entsteht, hilft es nicht, die neuen Bedingungen zu vermeiden und sich zu Hause zu verkriechen - ganz im Gegenteil, man sollte sich den Veränderungen bewusst aussetzen. Das bedeutet: viel Zeit im Freien verbringen und sich an der frischen Luft bewegen. Das aktiviert das Hormon Serotonin, welches dem im Winter vermehrt produzierten Melatonin entgegenwirkt. Die Frühlingsgefühle kommen damit richtig zur Entfaltung, die dann über die müden Frühlingstage hinweg helfen.

MEDICA.de: Können Sie spezielle Nahrungsmittel nennen, die die Frühjahrsmüdigkeit beeinflussen?

Prof. Zulley: Nein. Es gibt keine konkreten ernährungswissenschaftlichen Studien, die sich für ein bestimmtes Nahrungsmittel aussprechen. Die Ernährungsempfehlung, mehr Obst und Gemüse zu essen und auf fett- und kohlenhydratreiche Kost zu verzichten, gilt im besonderen für diese Jahreszeit, aber auch für das ganze restliche Jahr.

MEDICA.de: Sollte man dann die Frühjahrsmüdigkeit einfach akzeptieren oder ihr besonders entgegenwirken?

Prof. Zulley: Diese Müdigkeit ist wie gesagt eine Anpassungsreaktion, also ein Vorgang, wo der Körper einfach "durch" muss, um den Organismus auf die richtig warmen Sommertage vorzubereiten. Es ist auf keinen Fall eine pathologische Erscheinung, sondern der natürliche Lauf der Dinge, den man einfach akzeptieren sollte. Ein Entgegenwirken ist nicht notwendig.

Wenn die Frühjahrsmüdigkeit jedoch über mehrere Monate anhält, dann ist das möglicherweise ein Indiz für eine Schlafstörung, eine Kreislaufschwäche oder ein anderes Problem. Mit speziellen Schwierigkeiten im Frühling hat das dann aber nichts mehr zu tun, das heißt dann sollte ein Arzt konsultiert werden.


Mehr zu den Forschungen von Professor Zulley finden Sie am Bezirksklinikum Regensburg

cg / MEDICA.de