Stuhlinkontinenz betrifft etwa zwei Prozent der Bevölkerung. Bei älteren Personen liegt die Prävalenz bei etwa 15 Prozent. Die Unfähigkeit, Stuhl und Winde zu halten, ist den Betroffenen naturgemäß sehr peinlich und schränkt deren Alltagsaktivitäten stark ein. Zu den neueren Therapiemaßnahmen gehört unter anderem auch die sakrale Nervenstimulation, die minimal invasiv ist und eine nur geringe Morbiditätsrate aufweist. Man weiß allerdings nur wenig über die Auswirkungen einer langfristigen Sakralnervenstimulation auf die Lebensqualität und Morbidität.

Dies wurde nun in einer längeren prospektiven Studie untersucht, die über durchschnittlich 13 Monate lief. Zwischen Dezember 2001 und Juli 2005 nahmen 44 Patienten daran teil, darunter 30 Frauen. Das Durchschnittsalter lag bei 65 Jahren. 37 der Patienten (84 Prozent) erhielten einen permanenten Stimulator des Sakralnerven, bei acht weiteren Patienten musste der Stimulator wegen Komplikationen chirurgisch implantiert werden. In fünf Fällen konnten die Mediziner eine erfolgreiche Re-Stimulation durchführen. Unerwünschte Nebenwirkungen der sakralen Nervenstimulation waren bei fünf Patienten verschwunden, nachdem man den Stimulator neu programmiert hatte.

Unter der Sakralnervenstimulation besserte sich die Kontinenz der Patienten deutlich: Im „Wexner Score“ der Stuhlinkontinenz sank die Punktzahl von durchschnittlich 16 Punkten vor dem chirurgischen Eingriff auf durchschnittlich fünf Punkte danach (p kleiner 0.001). Auch die Zahl der ungewollten Stuhlabgänge und der dranghaften Defäkationen sank signifikant.

Dadurch verbesserte sich die Lebensqualität der Patienten ebenfalls deutlich, wie verschiedene Fragenbogen bewiesen (p kleiner 0.05). Die Erfolgsrate der sakralen Nervenstimulation lag damit insgesamt bei 77 Prozent. Untersucht man nur jene Patienten mit einer permanenten Sakralnervenstimulation liegt die Erfolgsrate sogar bei 92 Prozent.

MEDICA.de; Quelle: Archives of Surgery 2007, Vol. 142, S. 8-13