Sanfte Operation bei Säuglingen

Schädelverformungen können nun
sanft behoben werden; © Hemera

"Eine Operation solcher Verformungen ist zwar nicht in jedem Fall dringend geboten, häufig aber sowohl unter medizinischen als auch ästhetischen Gesichtspunkten mehr als sinnvoll", sagt PD Dr. Hannes Haberl, Leiter der Spezialabteilung für Kinderneurochirurgie an der Berliner Charité. Er wollte die Operationstechnik der Schädelumformung für die Kinder weniger belastend gestalten und optimale Ergebnisse erzielen. Dabei ist er auf die Unterstützung durch Visualisierung angewiesen. In Hans Lamecker und den Mitarbeitern in dem MATHEON-Projekt fand er die richtigen Partner.

Für die Korrektur der verformten Knochen wird die Schädeldecke der Patienten entnommen, die Knochenfragmente werden dann verschoben, in die gewünschte Form gebracht und schließlich wieder angeschraubt. Dabei sind die Details der Umformung derzeit ganz dem individuellen Empfinden des jeweiligen Chirurgen überlassen.

Grundlage der neuen Operationsmethode ist die statistische Auswertung einer Vielzahl von MRT-Aufnahmen gesunder Kinderschädel. Aus diesen Aufnahmen erstellte Lamecker eine Datenbank und errechnete mit ihrer Hilfe charakteristische "Schädel-Muster". Auf dieser Basis entwickelte er ein statistisches 3D-Formmodell des Schädelknochens.

Haberl kann nun ein Muster auswählen, das dem Kopf des Patienten am nächsten kommt. Von diesem Muster wird ein Modell erstellt, das Haberl mit in den Operationssaal nimmt. Auf dem Modell werden dann während des Eingriffs die Knochen geformt und angepasst. "Durch die Anpassung am Modell entfallen Arbeiten direkt am Patienten, die Operationszeit kann sich bis um die Hälfte verringern. Und durch die Feinanpassung der modellgestützten Umformung an die jeweilige Schädelbasis erreichen wir eine nach wie vor individuelle, aber dem Kind besser entsprechende Schädelform“, so Haberl.

MEDICA.de; Quelle: DFG Forschungszentrum MATHEON Mathematik für Schlüsseltechnologien