Sanftes Training gegen Nervenschmerz entwickelt

Tut der Wattebausch weh, ist
das Gehirn falsch programmiert
©Hemera

"Eine Ursache der Erkrankung scheint die Fehlprogrammierung des Gehirns zu sein", erläutert Prof. Christoph Maier, Schmerzzentrum der Ruhr-Uni Bochum. "Das zentrale Nervensystem konzentriert sich auf die Wahrnehmung des Schmerzes und verlernt dafür andere Fähigkeiten, die für die Gefühlswahrnehmung und die Beweglichkeit der betroffenen Extremität wichtig sind."

Bei der sanften Therapie setzen die Mediziner darauf, diesen Lernprozess wieder umzukehren. Eine betroffene Hand wird zu Beginn der Behandlung immer wieder leicht mit Watte berührt, um sie schrittweise wieder an ein normales Empfindungsvermögen zu gewöhnen. Nach sechsmonatigem Training stellten die Ärzte bei gleicher oder verminderter Schmerzmedikation bei mehr als 50 Patienten eine drastisch verringerte durchschnittliche Schmerzstärke fest.

Um zu untersuchen, inwiefern sich das Training auf die sensomotorischen Fähigkeiten auswirkt, ermittelten die RUB- Neurowissenschaftler um Prof. Dr. Martin Tegenthoff, Dr. Burkhard Pleger und PD Dr. Hubert Dinse die so genannte Zweipunkt-Diskriminationsschwelle der betroffenen Hand vor und nach der Therapie. Sie untersuchten die Fähigkeit der Patienten, zwei Punkte auf ihrer Zeigefingerkuppe räumlich zu unterscheiden. "Im Vergleich zum Test vor Therapiebeginn konnten die Patienten nach sechsmonatigem Training wieder wie Gesunde nur 1-1,5 mm auseinander stehende Nadelspitzen als getrennt wahrnehmen.

Die funktionelle Kernspintomographie (fMRI) erlaubt es, von außen die Aktivität von Nervenzellen in der Großhirnrinde zu messen. Im Laufe der Therapie vergrößerte sich diese Aktivität zusehends und erreichte fast wieder die Größe einer gesunden Hand.

MEDICA.de; Quelle: Ruhr-Universität Bochum