Schon länger bringt man Kopfverletzungen mit dem Morbus Parkinson in Verbindung. Studien zu diesem Thema haben die Schwierigkeit, dass es viele mögliche Störfaktoren gibt, die den Nachweis eines Zusammenhangs kaum möglich machen: Unterschiedliche Kindheiten, Unterschiede in Lebensführung und Risikoverhalten sowie genetische Bedingungen. Zwillingsstudien umschiffen einige dieser Klippen, da sich Zwillinge in ihrer Genausstattung und in der Regel auch in den Lebensbedingungen ähnlich sind.

Wissenschaftler haben sich daher nun der „National Academy of Sciences/National Research Council World War II Veteran Twins Cohort” bedient, um Kopfverletzungen als möglichen Risikofaktor eines Morbus Parkinson nachzuweisen. 93 Zwillingspaare aus dieser Datei kamen für die Studie in Frage. Jeweils einer der Zwillinge litt im Alter an Morbus Parkinson, der andere nicht. Die Studienteilnehmer gaben sehr ausführlich Auskunft über ihre Lebensgeschichte, vor allem über Kopfverletzungen in der Vergangenheit.

Dabei zeigte sich ganz klar: Jene Personen, die irgendwann in ihrer Lebensgeschichte eine geschlossene Kopfverletzung mit Bewusstlosigkeit oder Gedächtnisverlust erlitten, hatten ein 3,8-fach höheres Risiko, an einem Morbus Parkinson zu erkranken als der jeweilige Zwilling, der niemals derart verletzt worden war. Bei zwei derartigen Vorkommnissen liegt das Risiko sogar noch höher. Die Kopfverletzung lag bei den jeweiligen Betroffenen durchschnittlich 30 Jahre vor dem Auftreten der ersten Parkinson-Symptome.

Erstaunlicherweise war der Zusammenhang zwischen früherer Kopfverletzung und Entstehung eines Morbus Parkinson bei monozygoten Zwillingen stärker als bei dizygoten.

Die Studienleiter vermuten, dass ein Schädel-Hirn-Trauma entzündliche Vorgänge im Gehirn auslöst, die dann Jahrzehnte später erst wirksam werden.

MEDICA.de; Quelle: Annals of Neurology 2006, Vol. 60, S. 65-72