Schallschutz für Orchestermusiker

Foto: Schallschutzschirm für Orchestermusiker

Eine geneigte Plexiglasfläche leitet
den Schall nach oben; © PTB

Die EU-Lärmschutz- Verordnung, die auch für deutsche Orchester gilt, ist noch viel zu selten in die Praxis umgesetzt worden. Daher hat die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) einen Schallschutzschirm entwickelt, der im kritischen Bereich oberhalb von 250 Hertz den Schallpegel am Ohr des Musikers um bis zu 20 Dezibel (dB) senkt und mit wenig Aufwand nachgebaut werden kann.

Nach verschiedenen Untersuchungen, beispielsweise von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, liegt der durchschnittliche Lärmpegel in Symphonie- und Opernorchestern zwischen 80 dB(A)und 100 dB(A). Damit sind Orchestermusiker laut PTB in ihrem Arbeitsalltag Schalldruckpegeln ausgesetzt, die geeignet sind, Gehörschäden zu verursachen.

Nach einer Studie der Universität Gießen sind selbst unter Amateur-Musikern Gehörschäden weit verbreitet: Bei 1300 untersuchten Personen wiesen 27 Prozent der Männer und 17 Prozent der Frauen Gehörschäden auf. Sollte man also Wagner oder Strauss nicht so laut spielen? Musiker lehnen das ab, haben aber dennoch Sorge um ihr Gehör.

Ein neuer Schallschutz-Schirm, entwickelt von Ingolf Bork, Tonmeister, Pianist und Ingenieur in der PTB-Arbeitsgruppe Geräuschmesstechnik, ist im oberen Teil geknickt und leitet den Schall über den Kopf des vorne sitzenden Spielers nach oben hinweg. Viele bisherige Schirme seien so klein, dass die Schutzwirkung gleich null sei, erklärt Bork. Er hat "seinen" Schirm daher groß gehalten. "Am besten stellen Sie mehrere davon dicht an dicht, ohne Lücke vor der Blechbläser-Riege etwa im Abstand von 50 cm auf", rät er.

"Unser Prototyp ist nicht patentiert, weil wir keine besonderen Materialien oder ähnliches eingesetzt, sondern nur grundsätzliche Zusammenhänge untersucht haben", erklärt Bork. Das hat den Vorteil, dass ihn nun jeder leicht nachbauen kann. Allerdings wirkt der Schirm nur, wenn er den individuellen Gegebenheiten des Probenraumes oder des Orchestergrabens angepasst ist", betont der Ingenieur.

MEDICA.de; Quelle: Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)