19.11.2007

ZVEI - Fachverband Elektromedizinische Technik

Schere zwischen Export- und Inlandsmarkt für Elektromedizinische Technik deutlich

Zur heutigen Eröffnung der Medica 2007, der bedeutendsten Medizinmesse der Welt, zeigen sich erneut die verschiedenen Vorzeichen für die Geschäftsentwicklung deutscher Anbieter im Inland und im Ausland. Während in Deutschland im Schnitt der letzten Jahre allenfalls von Stagnation gesprochen werden kann, eröffnen sich auf fremden Märkten weiterhin blendende Chancen. Dies gilt neuerdings auch für Osteuropa, Südostasien und Teile Lateinamerikas. „Wäre da nicht die andauernde Dollar-Schwäche, so hätten wir kaum Wünsche offen für die Entwicklung der außereuropäischen Exportmärkte“, kommentiert Christian O. Erbe, stellvertretender Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Elektromedizinische Technik, die Situation. Er ergänzt: „Ganz im Gegensatz zu den Problemen auf unserem Heimatmarkt: Aus fehlendem Verständnis für den Nutzen von Investitionen besteht hier ein Investitionsstau von etwa 15 Milliarden Euro in medizinische Anlagegüter.“

Die jüngsten Fachverbands-Daten zur Umsatzentwicklung in Deutschland bestätigen die gemischte Einschätzung Erbes. Bei der Betrachtung der rückläufigen Inlandsumsätze im bisherigen Jahresverlauf muss man einen kräftigen Basiseffekt einbeziehen. Diesem sind vor allem ein Vorzieheffekt durch die Mehrwertsteuererhöhung zum Jahresbeginn und steigende Steuereinnahmen bei den Kommunen im letzten Jahr zuzurechnen. In diesem Jahr ist deshalb ein Umsatzrückgang auf dem deutschen Markt zu erwarten. Dieser sollte aber vor dem Hintergrund des letzten Jahres nicht überbewertet werden. Aber auch der Mehrjahrestrend liefert allenfalls eine „schwarze Null“ beim Umsatzwachstum in Deutschland. Dies verdeutlichen einmal mehr die beiden zentralen Hemmnisse für die Investitionstätigkeit auf dem Medizintechniksektor: die Finanzierungsschwäche öffentlicher Kliniken und die aufwändige und nicht nachvollziehbare Aufnahme neuer Produkte und Verfahren in den Katalog gesetzlicher Krankenkassen durch den Gemeinsamen Bundesausschuss.

Die Nachfrage nach deutscher Medizintechnik im Ausland zeigt sich hingegen überdeutlich in der Besucherstruktur auf der diesjährigen Medica. Deutlich mehr als 40 Prozent der Besucher stammen nicht aus Deutschland. Neben der Medica nutzen viele Aussteller auch die Möglichkeiten des umfassenden Auslandsmesseprogramms des Bundes und der Länder. Auf Antrag des ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie und anderer Industrieverbände wird die Teilnahme an ausgewählten Messen auf der ganzen Welt organisatorisch und finanziell unterstützt. Allein 2008 werden dadurch rund zehn so genannte 'Bundesbeteiligungen' – Gemeinschaftsstände unter der Marke „Medtech Made in Germany“ – auf vier Kontinenten stattfinden. Erbe betont: „Diese Maßnahme zur Erleichterung des Marktzutritts ist gerade für kleinere Anbieter eine zielgenaue Fördermaßnahme. Es wäre schön, wenn die Bundesregierung auch die nötigen Veränderungen der ungünstigen Rahmenbedingungen in Deutschland mit dieser Konsequenz anpacken würde“.