Schlüsselgene als neues Angriffsziel

Mechanismen zur Metastasierung
entdeckt; © NCI Visuals Online

Ärzte und Wissenschaftler der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg haben unter der Federführung von Dr. Peter Büchler Schlüsselgene in den Krebszellen identifiziert, die wesentlich zur Bildung von Metastasen und neuen Blutgefäßen beitragen. Außerdem konnte das Heidelberger Team der Arbeitsgruppe von Professor Helmut Friess zeigen: Die Schlüsselgene unterstützen, dass der Bauchspeicheldrüsentumor in Nerven einwächst - eine Entwicklung, die für diese Krebsart charakteristisch ist und mit sehr starken Schmerzen einhergeht.

Die so genannte Jagged-Genfamilie kodiert die Information für bestimmte Rezeptoren, welche an der Zelloberfläche von Krebszellen verankert sind. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass die Rezeptorgene in Pankrastumorzellen gehäuft vorkommen. Die verstärkt gebildeten Rezeptoren setzen in den Krebszellen eine Kaskade von Enzymen und Botenstoffen in Gang, die sicherstellen, dass das Krebsgeschwulst mit Blutgefäßen und somit mit überlebenswichtigen Stoffen versorgt wird. "Außerdem trägt diese Signalkaskade dazu bei, dass die Tumorzellen sich wie Magnete an Nerven anlagern, um in sie einzudringen", erklärt Dr. Peter Büchler.

Die veränderte Funktion der Jagged-Gene schafft dem Tumor jedoch nicht nur einen Wachstumsvorteil gegenüber gesundem Zellgewebe. Die Forscher vermuten, dass sie auch für die Resistenz des Tumors gegenüber Chemotherapie und Radiotherapie verantwortlich ist. Ein Grund dafür, weshalb immer noch fast 90 Prozent aller Patienten innerhalb der ersten fünf Jahre nach Diagnosestellung sterben.

Die Erkenntnisse könnten einen Ansatzpunkt für neue Therapiemöglichkeiten bieten. "Wenn es uns gelingt, die veränderte Funktion dieser Gene durch neue Medikamente zu normalisieren, könnten wir möglicherweise nicht nur das Tumorwachstum selbst, sondern auch die bisher schwer zu behandelnden Tumorschmerzen beeinflussen", blickt Dr. Peter Büchler in die Zukunft.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg