Schlaganfall: Besser in ein überregionales Zentrum!

24/10/2014
Foto: Sanitäter laden einen Mann in einen Rettungswagen

Patienten mit schweren Schlaganfällen profitieren auch bei längeren Anfahrtswegen von der Überweisung in ein überregionales Schlaganfallzentrum; ©limonzest/ panthermedia.net

Eine aktuelle Studie zeigt, dass Patienten mit schweren Schlaganfällen auch bei längeren Anfahrtswegen von der Überweisung in ein überregionales Schlaganfallzentrum profitieren.

Pro Jahr erleiden in Deutschland etwa 270.000 Menschen einen Schlaganfall. Ein Fünftel von ihnen verstirbt binnen vier Wochen an der Erkrankung und etwa die Hälfte der Betroffenen trägt Spätschäden davon. Der Schlaganfall stellt die dritthäufigste Todesursache dar. Neue Daten zeigen, dass sich die Einweisung in ein überregionales Schlaganfallzentrum bei Patienten mit schweren Schlaganfällen auch bei weiteren Anfahrtswegen lohnt. Dank schneller Transporte und telemedizinischer Möglichkeiten zur Diagnostik kann bei diesen Patienten ein ähnlich gutes Ergebnis erzielt werden wie bei der Behandlung in sehr großen Kliniken (Maximalversorgern).

Eine Studiengruppe aus Heidelberg untersuchte das Behandlungsergebnis von Patienten, die entweder sofort in einem überregionalen Schlaganfallzentrum mit Maximalversorgung aufgenommen und der interventionellen Therapie (Entfernung des Blutgerinnsels durch einen Stentretriever, sogenannte Thrombektomie) zugeführt wurden, mit dem der Patienten, die zunächst in ein lokales Krankenhaus aufgenommen und erst anschließend verlegt wurden. Diese Patienten erhielten im lokalen Krankenhaus zunächst eine Erstversorgung mit der i.v.-Lysetherapie, wurden dann aber zur weiterführenden, interventionellen Therapie (Thrombektomie) in ein überregionales Zentrum im Umkreis von bis zu 100 km transportiert.

Erstaunlicherweise war der klinisch-neurologische Zustand der Patienten nach 90 Tagen zwischen den Gruppen nicht signifikant unterschiedlich – die aus regionalen Krankenhäusern in das Haus der Maximalversorgung zugewiesenen Patienten schnitten nicht schlechter ab als diejenigen, die gleich am Universitätsklinikum behandelt wurden. Der Transport und logistische Aufwand ist also bei Patienten mit schweren Schlaganfällen gerechtfertigt, bei denen die etablierte Standardtherapie i.v.-Lyse nicht erfolgsversprechend und eine Thrombektomie erforderlich ist.

Den Grund für das gute Outcome der von außerhalb überwiesenen Patienten sieht Studienleiter Dr. Markus Möhlenbruch vorrangig in der Infrastruktur bestehender Schlaganfallnetzwerke: Überregionale Schlaganfallzentren und umliegende Krankenhäuser stehen in engem, telemedizinischem Kontakt. Bei Einlieferung eines Patienten mit schwerem Schlaganfall in ein regionales Krankenhaus wird ein Telekonsil aktiviert: Fehlt vor Ort ein ausgewiesener Experte, kann ein Neurologe des überregionalen Schlaganfallzentrums den Patienten über Video sehen und die Diagnose stellen. Außerdem werden die Bilddaten der CT-Diagnostik an das überregionale Zentrum übermittelt, um zu beurteilen, ob der Patient für die Thrombektomie geeignet ist. Wenn ja, können bereits die OP-Vorbereitungen anlaufen, bevor der Patient vor Ort ist. „Das Netzwerk ist also effizient und ermöglichen eine gute Versorgung – ganz egal, wo sich der Patient befindet“, so Möhlenbruch.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Röntgengesellschaft e.V.