Das Risiko, innerhalb von zehn Jahren einen Schlaganfall zu erleiden, ist bei Patienten mit Diabetes mellitus um das zwei- bis dreifache höher als bei Nicht-Diabetikern. Bislang gibt es aber nur wenige Daten zur Frage, wie viel höher das Insultrisiko innerhalb von fünf Jahren ist. Offenbar steht dahinter der Glaube, dass sich vaskuläre Schäden bei Diabetikern erst langfristig entwickeln und daher nur Langzeitschäden zu befürchten sind. Mit diesem Irrglauben sollte jetzt eine Studie der University of Alberta in Kanada aufräumen.

12.272 Diabetiker mit Diabetes mellitus Typ 2 nahmen über 30 Jahre, zwischen 1991 und 1996, an dieser Studie teil. Das Durchschnittsalter lag bei 64 Jahren. Bei allen war erst kürzlich ein Diabetes mellitus festgestellt worden.

Während des Nachbeobachtungszeitraums, der bis zum Dezember 1999 ging, erlitten 9,1 Prozent der Diabetiker einen Schlaganfall. Die Inzidenzrate lag bei 642 Fällen pro 100.000 Personenjahren versus 313 in der gesunden Normalbevölkerung. Damit ist das Risiko, innerhalb von fünf Jahren einen Insult zu erleiden, bei Diabetikern mit Typ 2-Diabetes etwa doppelt so hoch wie bei Gesunden.

Großes Erstaunen dann aber, als man dieses Ergebnis nach dem Alter der Patienten aufschlüsselte: Neu diagnostizierte Diabetiker über 75 Jahre haben ein relatives Risiko von 1,9, innerhalb von fünf Jahren einen Schlaganfall zu erleiden. In der Altersgruppe zwischen 30 und 44 Jahren dagegen war das relative Risiko mit 5,6 wesentlich höher.

Nach Ansicht der Studienleiter sollte dieses Ergebnis dazu beitragen, dass Patienten mit einem Diabetes mellitus vom Typ 2 bereits sehr frühzeitig nach der Diagnose intensiv therapiert werden, um auch schon die kurzfristigen Risiken zu senken.

MEDICA.de; Quelle: Stroke 2007, Vol. 38, S. 1739-1743