Schlaganfallrisiko durch Vorhofflimmern: Neue Biomarker

Vorhofflimmern ist mit ca. 1,8 Mio. Betroffenen in Deutschland die häufigste Herzrhythmusstörung und wegen der Neigung zur Blutgerinnselbildung in der linken Herzvorkammer eine der Hauptursachen für den Schlaganfall mit ca. 30.000 Schlaganfällen pro Jahr.

11.04.2016

 
Foto: Ultraschallbild des Herzens

Die Ultraschallaufnahme zeigt ein Gerinnsel im linken Vorhofohr, das vom Blutstrom mitgerissen einen Schlaganfall verursachen kann; ©Klinikum Brandenburg

"Das Interesse der Forschung an noch zuverlässigeren Messmethoden zur Bewertung des Schlaganfallrisikos bei Vorhofflimmerpatienten ist deshalb enorm, um das Schlaganfallrisiko für die Betroffenen noch wirksamer zu verringern, aber auch um den Patienten eine womöglich unnötige gerinnungshemmende Therapie zu ersparen", betont Prof. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung. In Risiko-Scores wie dem CHA2DS2-VASc-Score werden die Risikofaktoren dargestellt, von denen die Schlaganfallgefährdung für den einzelnen Patienten abhängt; Risikofaktoren sind u. a. Herzschwäche, Bluthochdruck, Alter über 75 Jahre, Gefäßerkrankungen, Diabetes, Schlaganfall und TIA in der Vorgeschichte.

Neue Forschungsergebnisse einer Arbeit von Dr. Christian Pflücke und Kollegen am Herzzentrum Dresden - Universitätsklinik deuten jetzt auf ein möglicherweise noch zuverlässigeres, auf zwei Biomarkern basierendes Verfahren zur Bestimmung des individuellen Schlaganfallrisikos von Vorhofflimmerpatienten hin. Die Forschungsarbeit wurde 2015 mit dem Wilhelm P. Winterstein-Preis der Deutschen Herzstiftung ausgezeichnet und jüngst im Fachjournal Clinical Research in Cardiology publiziert.

Die Dresdner Forscher haben zwei Biomarker identifiziert, die vermehrt im Blutserum von Patienten vorkommen, bei denen mit Herzultraschall ein Blutgerinnsel im Herzvorhof festgestellt wurde: Monozyten-Plättchen-Aggregate (MPA) als Marker für eine erhöhte Plättchenaktivität und CD11b als Marker für eine gesteigerte Entzündungsaktivität. In der Studie sind 27 Patienten, bei denen ein Blutgerinnsel im linken Herzvorhof entdeckt werden konnte, mit 80 weiteren Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern, jedoch ohne Blutgerinnsel verglichen worden. "Der Gehalt von MPAs und CD11b war gerade bei den Patienten mit nachgewiesenem Blutgerinnsel im linken Herzvorhof deutlich erhöht. Damit erscheinen beide Marker sehr gut für die Risikobewertung und zielgenauere Therapie von Vorhofflimmerpatienten mit dem Ziel, den Schlaganfall zu verhindern, geeignet", betont Pflücke.

Der bei Patienten mit Vorhofflimmern und Blutgerinnseln in dieser Studie nachgewiesene erhöhte CD11b-Gehalt auf Monozyten und Granulozyten, die zur Familie der entzündungsfördernden weißen Blutzellen zählen, weist auf eine Schlüsselrolle von Entzündungsprozessen bei Vorhofflimmern und dessen Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln hin. MPAs sind Marker für eine Plättchen- und Monozytenaktivierung. Sie stehen mit einer verminderten Flussgeschwindigkeit im linken Herzvorhofohr in Verbindung und zeigen dadurch die Bildung eines Blutgerinnsels an. Beide Marker dürften Ärzten, die sich in Abwägungssituationen für oder gegen eine Therapie mit Gerinnungshemmer befinden, mehr Sicherheit für ihre Entscheidung geben, weil das zugrundeliegende Messsystem zuverlässiger ist und für den Patienten eine individuelle Risikoabschätzung ermöglicht. "Mit Hilfe unserer Erkenntnisse könnten wir zur Entwicklung neuer entzündungshemmender Therapien bei Patienten mit Vorhofflimmern beitragen. Allerdings müssen noch weitere klinische Studien mit einer höheren Patientenzahl folgen. Weitere Studien sind in Planung."

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

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