Schlank-Gen reguliert Körperfett

Foto: Dicke Person auf einer Waage

Ob jemand fettleibig ist oder nicht
bestimmen die Gene; © ABDA

Ist das „Schlank-Gen“ intakt, kann die Fliegenlarve Speicherfett aufbauen - sie wird dick. "Larven mit einer schlank- Mutation bleiben dagegen dünn", erklärt Professor Michael Hoch von der Universität Bonn. "Im Extremfall führt der Defekt sogar zum Tod." Der Entwicklungsbiologe hat zusammen mit Privatdozent Doktor Reinhard Bauer von der Universität Bonn untersucht, was "schlank" genau macht.

Ihrer Studie zufolge enthält das Gen die Bauanleitung einer so genannten Ceramid-Synthase. Ceramide dienen als Rohstoff für die hauchdünnen Membranen, die sämtliche Zellen im Körper umschließen. Schlank wirkt zudem regulierend: Es fördert die Fettsynthese und hemmt gleichzeitig die Fettmobilisierung aus dem Fettspeicher.

Das ist möglicherweise nicht nur in der Fruchtfliege so. Auch der Mensch produziert Ceramid-Synthasen - allerdings nicht nur eine, sondern gleich sechs verschiedene. Er verfügt dazu über eine Gruppe von Erbanlagen, die so genannten Lass-Gene. Mutationen in den entsprechenden Genen führen zu schwerwiegenden Stoffwechsel-Defekten und zu Fehlfunktionen von Organsystemen.

Die Ähnlichkeit geht so weit, dass Lass-Gene aus der Maus in Fliegen- Mutanten das defekte schlank-Gen zum Teil kompensieren können. "Wir haben ein Mäuse-Lass-Gen in mutante Drosophila-Larven eingeführt", sagt Hoch. "Normalerweise starben die Larven direkt nach dem Schlüpfen. Dank des Lass-Gens bauten sie wieder Körperfett auf und überlebten bis ins nächste Entwicklungsstadium."

Die Lass-Gene der Säugetiere wurden bislang noch nicht mit der Regulation des Fettstoffwechsels in Verbindung gebracht. "Aufgrund der großen Parallelen zu schlank halten wir eine solche Funktion aber für sehr wahrscheinlich", vermutet Hoch. "Wenn dem so ist, wären sie ein viel versprechender Ansatzpunkt für neue Medikamente gegen Fettleibigkeit."

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn