Nach dem Ergebnis verschiedener Studien haben Mediziner vermutet, dass Dehydroepiandrosteron (DHEA) und Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEAS) neuroprotektive Effekte im Gehirn haben könnten. Allerdings ist dieser Zusammenhang bislang kaum klinisch getestet worden. Es ginge also darum, einen klar nachweisbaren Zusammenhang zwischen dem Blutspiegel des endogenen DHEAS und kognitiven Fähigkeiten herzustellen. Australische Wissenschaftler haben sich nun dieser Frage gestellt. Sie wollten wissen, ob es eine Korrelation zwischen dem DHEAS-Spiegel bei Frauen aller Altersstufen und deren kognitiver Leistungsfähigkeit gibt.

295 Frauen im Alter zwischen 21 und 77 Jahren nahmen an dieser Studie teil. Zwischen September 2003 und Dezember 2004 wurde ihre kognitive Leistungsfähigkeit intensiv getestet. Die Studienleiter setzten dazu verschiedene Tests ein.

Offenbar profitieren die Frauen kognitiv, wenn sie überdurchschnittlich hohe DHEAS-Spiegel haben. Bei den meisten Tests schnitten sie nämlich besser ab. Eine positive Korrelation war vor allem bei Tests zu beobachten, die die simple Konzentrationsfähigkeit der Frauen forderte und den „Arbeitsspeicher“ des Gehirns, also die Gedächtnisfunktion. Anders bei verbalen Tests. Hier zeigte sich kein Zusammenhang zwischen den DHEAS-Spiegeln und der Leistungsfähigkeit.

Interessanter Nebenbefund: Auch das Zusammenleben mit anderen Menschen fördert die kognitive Leistungsfähigkeit, ebenso das Lösen von Kreuzworträtseln und das Spielen eines Instruments.

Wie erklären die Studienleiter dieses Ergebnis? Möglicherweise, so schreiben sie, hat DHEAS einen direkten Einfluss auf vermutete DHEAS- und Androgenrezeptoren. Eine andere Erklärung: Vielleicht ist DHEAS einfach ein Marker guter Gesundheit. Und gesunde Frauen sind nun einmal kognitiv leistungsfähiger. Die Studienleiter sehen jedenfalls keinen Anlass, den Kauf von DHEA-Nahrungssupplementen zu empfehlen, die frei zu kaufen sind.

MEDICA.de; Quelle: Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism 2008, Vol. 93, S. 801-808