In der Psychoonkologie wird es immer wieder diskutiert: Ob Stress und Erschöpfung oder gar depressive Gefühle das Risiko eines Karzinoms erhöhen? Tatsächlich wird körperliche Erschöpfung, definiert als depressive Gefühle und ständige Müdigkeit, als ein Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen angesehen. Ob dies auch für Karzinome gilt, ist unklar. Dahinter steht die Vermutung, dass Depressionen das Immunsystem schwächen und damit den Körper verwundbarer für Krebs machen könnten. Dr. Corinna Bergelt von der Danish Cancer Society in Kopenhagen, Dänemark, ist dieser Frage nun nachgegangen.

Teilnehmer der Studie waren 8.527 Personen im Alter von 21 bis 94 Jahren. Sie waren zugleich Probanden der Copenhagen City Heart Study. Im Rahmen dieser großen Studie hatten sie zwischen 1991 und 1994 sehr ausführlich Auskunft über verschiedene Aspekte ihres Lebens gegeben, darunter auch Gefühle der Depression oder ständige Müdigkeit.

Während des Nachbeobachtungszeitraums von durchschnittlich 8,6 Jahren trat bei 976 Personen (zwölf Prozent) ein Karzinom auf. Der Abgleich mit den Depressions- beziehungsweise Erschöpfungswerten zeigte ein überraschendes Ergebnis: Personen, deren Werte in der obersten Quartile lagen, hatten ein 20 Prozent geringeres Risiko, an einem Karzinom zu erkranken als Probanden in der untersten Quartile. Dieses Ergebnis blieb unbeeinflusst von der Alkoholmenge, die die Patienten angaben zu trinken und deren Hormonstatus.

Die Studienautoren warnen aber davor, das Ergebnis ihrer Studie überzubewerten. Abgesehen davon, dass ihre Studie gewisse Limitationen hat könne man keineswegs schließen, dass depressive Menschen seltener an Krebs erkranken, so die Autoren. Immerhin gilt auch das Gegenteil wohl nicht: Depressiv gestresste und dauermüde Menschen erkranken zumindest nicht häufiger an Krebs.

MEDICA.de; Quelle: Cancer Early View