Schmerzbremse im Rückenmark

Schmerzbrücke wird gestört durch
Homer 1a; © PixelQuelle.de

Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Proteinen, die vor neun Jahren im limbischen System entdeckt worden sind. Sie heißen Homer und fungieren quasi als Adapterproteine, die Nervensignale verknüpfen. "Wir haben nun zum ersten Mal bewiesen", erklärt Dr. Rohini Kuner vom Pharmakologischen Institut, "dass Homer-Proteine auch im Rückenmark vorkommen und dort an der Schmerzverarbeitung beteiligt sind."

Homer-Proteine kommen ins Spiel, wenn ein elektrischer Reiz an den Synapsen in einen chemischen Boten umgewandelt wird, der den Zwischenraum zwischen den Nervenzellen überquert, um in der Rückenmarkszelle wieder einen elektrischen Reiz auszulösen. Die Proteine bauen die Brücke zwischen der chemischen Botschaft und deren elektrischer Weiterleitung - verbinden über ein molekulares Gerüst die Rezeptorproteine für den Botenstoff Glutamat mit den Schleusen für Kalzium in der Zellwand.

Das Homer-Protein 1a, das nur halb so groß wie die anderen ist, widersetzt sich und versucht, das Gerüst ständig zum Einsturz zu bringen. Sobald die Homer Proteine beginnen, die Schmerzbrücke zu bauen, legt sich Homer 1a quer. Tatsächlich wird das kleine Protein bei chronischen Entzündungen vom Körper reichlich produziert. Gerade bei chronischen Schmerzen trägt nämlich der Rest der Homer-Proteine dazu bei, dass ein Schmerzgedächtnis aufgebaut wird und der Schmerz chronisch wird.

"Bisher kannten wir nur Rückkopplungsmechanismen, die den Schmerz verstärken", sagt Rohini Kuner. Als endogene Hemmstoffe von Schmerzen galten bislang ausschließlich Endorphine oder Cannabis-Abkömmlinge. "Mit Homer 1a haben wir erstmals einen negativen Rückkopplungsmechanismus der Schmerzverarbeitung identifiziert." Für akute Schmerzen, die sinnvolle Warnsignale sind, hat das wenig Bedeutung. Chronische Schmerzen aber, die ihren Sinn und Warncharakter weitgehend verloren haben, wären ohne den Schutz der körpereigenen Notbremse Homer 1a noch weniger zu ertragen.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg