Schmerzempfindlichkeit unbewusst verändern

Schmerzen können einen aus der
Haut fahren lassen ; © Hemera

Im Verlauf einer anderthalbstündigen "operanten Konditionierung" ließ sich die Schmerzempfindlichkeit von gesunden Studienteilnehmern erheblich steigern, ohne dass sie sich dessen bewusst wurden. Umgekehrt war auf die gleiche Weise die Empfindlichkeit zu senken, je nachdem, welche Konsequenzen auf die Wahrnehmungsreaktionen folgten. "Diese Ergebnisse zeigen erstmals eindeutig, dass die Schmerzwahrnehmung durch unbewusstes Lernen am Erfolg verändert werden kann. Dies könnte ein Mechanismus der Chronifizierung von Schmerzen sein." erklärt PD Dr. Dieter Kleinböhl.

Den Studienteilnehmern wurden über eine so genannte Thermode Hitzereize auf die Hand gegeben, wobei sie selbst die Möglichkeit hatten die Temperatur zu regulieren. Ihre Aufgabe lautete, die gefühlte Reizstärke konstant zu halten. "Bei gesunden Probanden stellte sich bei gerade schmerzhaften Reizen normalerweise Gewöhnung ein, das heißt sie regelten die Temperatur mit der Zeit höher um die Empfindung gleich zu halten", erklärt Dr. Kleinböhl. "Bei chronischen Schmerzleiden, wie beim Rückenschmerz, findet man dagegen keine Gewöhnung an solche Reize - hier tritt Sensibilisierung auf, das heißt eine Zunahme der subjektiven Schmerzempfindung bei gleich bleibenden oder abnehmenden objektiven Reizstärken."

Die Forscher untersuchten Gesunde unter zwei Bedingungen. In einer Gruppe wurde eine Sensibilisierungsreaktion durch eine anschließende weitere Temperaturabsenkung "verstärkt", wohingegen Gewöhnungsreaktionen durch eine anschließende Temperaturerhöhnung "bestraft" wurde. In der zweiten Gruppe verhielt es sich umgekehrt.

Nach anderthalbstündigem Training zeigte sich, dass in der Gruppe, in der Sensibilisierung verstärkt wurde, vermehrt Sensibilisierungsreaktionen gegenüber Hitzereizen auftraten, während in der anderen Gruppe vermehrt Gewöhnungsreaktionen gefunden wurden. In der Gruppe mit erlernter Sensibilisierung wurde außerdem nachgewiesen, dass bei objektiv abnehmenden Reizstärken die subjektive Empfindungsstärke gleich blieb. Die Studienteilnehmer waren sich dieser im Verlauf des Experiments allmählich zunehmenden erhöhten Schmerzempfindlichkeit nicht bewusst.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes