Der akute Herzinfarkt ist in Deutschland mit Abstand die häufigste Todesursache, jedes Jahr sterben rund 60.000 Menschen daran. Bei einem Herzinfarkt zählt jede Sekunde, daher ist schnellstmögliche Hilfe lebenswichtig. "Je weniger Zeit zwischen den ersten Symptomen sowie Diagnostik und Therapie vergeht, desto größer sind die Überlebenschancen", betont Professor Dr. Helmut Drexler, Direktor der Abteilung Kardiologe und Angiologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

In der neuen so genannten Chest Pain Unit (CPU, zu deutsch: Brustschmerz-Einheit) werden vier Notfallbetten für unverzügliche kardiologische Rettungsmaßnahmen direkt neben den Herzkatheterlaboren eingerichtet. Zuweisenden Ärzten, Rettungsdiensten und ambulanten Patienten steht damit rund um die Uhr ein Herzspezialist zur optimierten Notfallversorgung zur Verfügung.

"Fortschritte in der Therapie von Herzkreislauferkrankungen tragen deutlich mehr zur Verbesserung der allgemeinen Lebenserwartung bei als Entwicklungen in irgendeinem anderen Gebiet der Medizin", erläutert Professor Drexler. In den USA hat man seit über einem Jahrzehnt Erfahrungen mit Chest Pain Units gesammelt: Die Sterblichkeitsrate bei Herzinfarkten konnte dort im Vergleich mit Krankenhäusern ohne derartige Einrichtungen um 37 Prozent gesenkt werden.

In Deutschland gibt es bisher nur in den Universitätskliniken Heidelberg und Mainz Chest Pain Units, die unbürokratische Akutversorgung auf höchstem fachlichen Niveau sicherstellen. Interessant ist die Chest Pain Unit nicht nur für die zuweisenden Ärzte und die Rettungsdienste, sondern auch für die Kostenträger, denn die Erfahrungen aus Heidelberg und Mainz zeigen, dass so die durchschnittlichen Liegezeiten und damit die Kosten gesenkt werden können. "Das Risiko bleibender Folgeschäden wird nachhaltig minimiert", sagt Professor Drexler.

MEDICA.de; Quelle: Medizinische Hochschule Hannover