Schneller lernen, Angst zu verlernen

Bild: Ein Auto nach einem Unfall

Ein Protein sorft dafür, dass sich
manche nach einem Unfall nicht mehr
hinters Steuer setzen; © Pixelio.de

Traumatische Erlebnisse können sich so sehr "in das Gehirn einbrennen", dass die Betroffenen auch in harmlosen Situationen Panikattacken bekommen. Nur langwierige Psychotherapie hilft bisher, Patienten mit posttraumatischen Belastungsstörungen von der Harmlosigkeit der Angst auslösenden Situationen zu überzeugen.

Forscher haben nun herausgefunden, was auf molekularer Ebene im Gehirn passiert, wenn ein Erlebnis zum Trauma wird: Angst auslösende Erlebnisse aktivieren vorübergehend ein Protein mit dem Namen Cdk5 im Hippocampus, dem Zentrum für die Speicherung von Erinnerungen. Innerhalb weniger Stunden "brennt" das Gehirn die Erfahrung als Trauma im Gedächtnis fest. Damit das Gehirn die belastende Situation in der Therapie als "doch nicht schlimm" neu abspeichern kann, muss die Aktivität von Cdk5 vorübergehend unterdrückt werden.

Im Experiment erhielten Mäuse einen leichten Elektroschock an den Füßen, wenn sie zum ersten Mal einen bestimmten Raum betraten. Danach durften die traumatisierten Mäuse mehrere Male in den Raum, allerdings ohne Elektroschock. Mäuse mit erhöhter Cdk5-Aktivität im Gehirn brauchten länger als normale Mäuse, um wieder neu Vertrauen zu fassen.

"Die Cdk5-Aktivität verhindert das Auslöschen erlernter Angst. Dies geschieht mindestens zum Teil dadurch, dass aktiviertes Cdk5 ein anderes Protein an seiner Aktivität behindert. Wenn wir Cdk5 unterdrücken oder gar eine gegenläufige Kraft aktivieren, lernen unsere Mäuse sehr schnell, dass keine Gefahr mehr besteht. Die erlernte Furcht wird ausgelöscht. Wenn wir Cdk5 dagegen sehr stark aktivieren, lernen die Tiere praktisch nie, dass keine Gefahr mehr besteht", sagt Dr. André Fischer, Leiter der Nachwuchsgruppe Experimentelle Neuropathologie am European Neuroscience Institute Göttingen (ENI-G).

MEDICA.de; Quelle: Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität