Schnellere Diagnose von Herzschwäche in der Schwangerschaft

Foto: Bauch einer Schwangeren

Neue Ergebnisse zeigen: Nach der
Geburt führt erhöhter oxidativer
Stress zu einer Spaltung des
Stillhormons Prolaktin, wodurch
das Herz und Gefäße der Frau
geschädigt werden;
© panthermedia.net/Ron Chapple

Der neue Biomarker soll rasch so weit entwickelt werden, dass erkrankte Mütter ohne Zeitverzögerung erkannt sowie behandelt werden und die neugeborenen Kinder in einer intakten Familie aufwachsen können.

Das Aufwachsen von Halbwaisen- und Waisenkindern ohne Mutter stellt überall auf der Welt, aber insbesondere in Südafrika, ein großes Problem dar. Eine der Hauptursachen für mütterliche Sterblichkeit in Südafrika und auch in Haiti ist die sogenannte peri- oder postpartale Kardiomyopathie (PPCM). In Europa und Deutschland tritt sie seltener auf, wird aber auch zunehmend diagnostiziert.

Die PPCM ist eine seltene, lebensgefährliche Herzerkrankung mit plötzlich einsetzender Herzschwäche – meistens während der zweiten Schwangerschaft – die bei vorher gesunden Frauen rund um die Geburt meist völlig überraschend auftritt. Die Symptome sind vielfach nicht eindeutig, werden leicht und oft verkannt sowie üblichen Schwangerschaftsbeschwerden zugeordnet. Die PPCM unterscheidet sich von anderen Herzschwäche-Formen, indem sie sehr schnell voranschreitet, sodass sich bei einer gesunden jungen Frau binnen weniger Tage nach der Geburt eine schwere Herzschwäche entwickeln kann. Bei bis zu 25 Prozent der Patientinnen kommt es zum Pumpversagen des Herzens. Weitere Patientinnen leiden an den Folgen der Herzschwäche mit dauerhaften Einschränkungen, dies sind bis zu 40 Prozent. Nicht selten kann die Herzschwäche die Notwendigkeit einer Herztransplantation bedeuten.

Neue Ergebnisse zeigen: Nach der Geburt führt erhöhter oxidativer Stress zu einer Spaltung des Stillhormons Prolaktin, wodurch das Herz und Gefäße geschädigt werden. Diese Ergebnisse wurden bereits in international hochrangigen Wissenschaftszeitschriften publiziert. Eine kürzlich veröffentlichte Pilotstudie zeigte, dass eine Blockade des Stillhormons Prolaktin mit dem Abstillmedikament Bromocriptin den Heilungsprozess bei den jungen Müttern mit PPCM nahezu hundertprozentig fördert. Eine rasche und möglichst genaue Diagnose ist von besonderer Bedeutung, da sich hieraus die erforderliche Therapie ableitet und damit das Überleben der jungen Mütter bestimmt wird. Eine spezielle Diagnostik gibt es bislang jedoch nicht.

Professor Karen Sliwa vom Hatter Institute in Kapstadt verfügt in Südafrika über die größte Bio-Datenbank von jungen Frauen mit PPCM. In Kooperation mit Sliwa konnte die Kardiologische Forschungsabteilung an dem UKS ein spezifisches Mikropartikel-Profil im Blut nachweisen. Bei den jungen Frauen mit PPCM konnten unter anderem 25-fach erhöhte Mikropartikel als Zeichen und Marker für die Gefäßschädigung gemessen werden.

Dieses Mikropartikel-Profil könnte langfristig die rasche Diagnosestellung der lebensbedrohlichen Herzinsuffizienz bei jungen Frauen überhaupt ermöglichen und insbesondere eine frühe Therapieeinleitung gewährleisten.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS)