Schnellere Herzinfarkt-Diagnose hilft Leben zu retten

03.06.2016

Ein neues, von Wissenschaftlern des Universitären Herzzentrums des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) entwickeltes diagnostisches Verfahren kann die Abklärung, ob es sich bei akuten Brustschmerzen um einen Herzinfarkt handelt oder nicht, entscheidend verbessern.

Foto: Alarm auf Herzmonitor

Der neue Test gibt laut Studie schneller darüber Auskunft, wie die Therapie zu gestalten ist; © panthermedia.net/Johan Swanepoel

Mit dem an über 1000 im UKE behandelten Patienten erprobten Test kann das Zeitfenster bis zur endgültigen Diagnose und Einleitung einer lebensrettenden Therapie von drei auf eine Stunde reduziert und damit auch die Sterblichkeit verringert werden. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt im renommierten Fachjournal JAMA Cardiology veröffentlicht.

"Bei Patienten mit Brustschmerzen und Verdacht auf einen Herzinfarkt muss möglichst rasch abgeklärt werden, ob weitere therapeutische Maßnahmen einzuleiten sind oder ob man sie sicher wieder nach Hause entlassen kann", erläutert Prof. Dr. Stefan Blankenberg, Direktor der Klinik für Allgemeine und Interventionelle Kardiologie im Universitären Herzzentrum (UHZ). "Hierfür benötigen wir möglichst präzise, zuverlässige und einfach anzuwendende Testverfahren."

Die aktuellen Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie empfehlen bei Verdacht auf Herzinfarkt, sofort bei der Aufnahme des Patienten und dann nochmals nach drei Stunden per Bluttest Troponin I zu messen. Dabei handelt es sich um einen Biomarker, der Aufschluss über Schädigungen der Herzmuskelzellen gibt. Blankenberg: "Bis zur endgültigen Diagnose müssen Patienten also in jedem Fall zumindest drei Stunden im Krankenhaus bleiben. Nach derzeitigen Standards gelten Troponin I-Werte über 27 ng/L als erhöht."

Im UHZ wurde in den vergangenen Jahren eine Alternative entwickelt und erprobt. "Der neue, hochsensitive Troponin I-Test liefert viel rascher Ergebnisse und entdeckt auch viel niedrigere Troponin I-Werte, die aber eine wichtige Rolle für das kardiovaskuläre Risiko spielen dürften", erklärt Priv.-Doz. Dr. Dirk Westermann. Unter seiner Leitung stand die sogenannte BACC-Studie (Biomarkers in Acute Cardiac Care), deren Ergebnisse jetzt veröffentlicht wurden.

In die BACC-Studie wurden 1040 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 65 Jahren eingeschlossen, die mit akutem Brustschmerz und Herzinfarkt-Verdacht in der Notaufnahme des UKE betreut wurden. Es wurden sowohl der herkömmliche Troponin I-Test mit dreistündiger Wartezeit als auch das neue Testverfahren durchgeführt. Auf Basis des Standardverfahrens wurde bei 184 Patienten ein Herzinfarkt diagnostiziert und eine weitere stationäre Behandlung veranlasst, die anderen wurden nach Hause entlassen. Alle Patienten wurden über zwölf Monate weiter beobachtet.

Beim Vergleich der Ergebnisse beider Testverfahren stellte sich heraus, dass bereits ein Grenzwert von nur 6 ng/L Troponin I, bei der Aufnahme und nach einer Stunde gemessen, zuverlässiger den Ausschluss eines Herzinfarkts ermöglicht als die bisher empfohlenen 27 ng/L mit Wiederholungsmessung nach drei Stunden. Westermann: "Der schneller anzuwendende Test und die niedrigeren Grenzwerte können die Sicherheit weiter erhöhen, dass die richtigen Patienten nach Hause geschickt werden."

Der neue Algorithmus mit dem niedrigeren Grenzwert wurde über die UKE-eigene Studie hinaus anhand der Daten zweier weiterer großer Studien, an der mehr als 4000 Patienten mit akutem Brustschmerz und Herzinfarkt-Verdacht beteiligt waren, überprüft und bestätigt. Diese Studie, so Blankenberg, wird Einfluss auf eine zukünftige Änderung der Leitlinien zur Diagnose des akuten Myokardinfarktes besitzen.


MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Mehr über das UKE unter: www.uke.de