Schreien bei Säuglingen gilt dann als außergewöhnlich, wenn die Kinder mindestens drei Wochen lang mindestens an drei Tagen pro Woche mindestens drei Stunden lang schreien. Verschiedene Studien haben nachgewiesen, dass solche "Schreikinder" Probleme beim Schlafen und Essen haben. Allerdings waren diese Ergebnisse nicht eindeutig. Es gab auch anders lautende Ergebnisse.

In einer Studie wurde dies nun noch einmal untersucht. An einer telefonischen Umfrage zu diesem Thema nahmen die Eltern von 1.865 Kindern teil, deren Sprösslinge zwischen sechs und 47 Monate alt waren. Anhand verschiedener Fragen bestimmten die Untersucher, ob die Kinder der befragten Eltern „Schreikinder“ nach der oben benannten Definition waren und ob sie Schlaf- oder Essprobleme haben.

16,3 Prozent der Kinder hatten innerhalb der ersten drei Lebensmonate eine außergewöhnliche Schreiphase gehabt. Nach dem dritten Lebensmonat betraf das noch 5,8 Prozent der Kinder. Immerhin 2,5 Prozent der Kinder machten noch nach dem sechsten Lebensmonat durch exzessives Geschrei auf sich aufmerksam.

Starkes Schreien in den ersten sechs Lebensmonaten hat offenbar keinen negativen Einfluss auf den Schlaf und das Essverhalten der Kinder. Anders bei den Kindern, die auch nach dem sechsten Lebensmonat noch schrieen: Das Risiko, einen schlechten Schlaf zu haben, ist bei ihnen 6,6-fach erhöht. Sogar 8,9-fach höher ist ihr Risiko für eine Essstörung.

Die Wissenschaftler sind erstaunt darüber, dass es in dieser Beziehung keinen Dosis-Wirkungs-Effekt gibt. Offenbar, so folgern sie, gibt es einen bestimmten Zusammenhang zwischen Schreien und Eß- und Schlafstörungen, der noch unbekannt ist.

MEDICA.de; Quelle: Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine 2006, Vol. 160, S. 508-511