Schuld sind nicht nur die Wechseljahre

Foto: Röntgenaufnahme vom Fußgelenk

Osteoporose wird im Volksmund
als Knochenschwund bezeichnet;
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Betroffen sind vor allem Frauen jenseits der 50, denn ein Mangel beim Hormon Östrogen ist eine zentrale Ursache für die Erkrankung. "Aber nicht die einzige", sagt Professor Thomas Pap, Direktor des Instituts für Experimentelle Muskuloskeletale Medizin der Universität Münster. "Entscheidend dafür, dass niedrige Hormonspiegel in den Wechseljahren zur vermehrten Bildung von Knochenfresszellen und damit zum Knochenverlust führen, ist die erhöhte Empfindlichkeit dieser Zellen gegenüber Reifungssignalen von außen." Wie diese Empfindlichkeit reguliert wird, haben Wissenschaftler jetzt herausgefunden.

Der wichtigste Befund: Bei Patienten mit Osteoporose wird die Reifung der Knochenfresszellen, so genannter Osteoklasten, wesentlich dadurch bestimmt, dass diese Zellen empfindlicher für Signale sind, die ihre Reifung auslösen. Die Zellen haben Eiweiße auf ihrer Oberfläche, die wie Antennen funktionieren und entsprechende Signale empfangen können.

Das wichtigste dieser Eiweiße heißt RANK. Es steuert ganz zentral die Entstehung von Osteoklasten im Knochen und trägt damit unmittelbar zum Knochenabbau bei - gerade auch bei Osteoporose. Wird umgekehrt RANK nicht oder nur gering gebildet, sind also die "Antennen" der Zellen nicht ausgefahren, kommt es trotz niedriger Hormonspiegel und der damit verbundenen Veränderungen nicht zur Bildung der Knochenfresszellen.

Die jetzt veröffentlichte Arbeit zeigt einen bisher unbekannten, aber offenbar zentralen Weg, über den RANK gebildet und somit das Ausfahren der "Antennen" reguliert wird: Die Wissenschaftler konnten erstmals nachweisen, dass ein bestimmtes Signaleiweiß, nämlich CCR2, zumindest in Mäusen an der Bildung von RANK zentral beteiligt ist und dass ein Fehlen von CCR2 die Tiere nachhaltig vor Osteoporose schützt.

Den Autoren zufolge helfen diese Ergebnisse nicht nur, die Osteoporose besser zu verstehen, sondern bieten auch einen Ansatz für die Entwicklung neuer und innovativer Therapieformen für die Volkskrankheit.

MEDICA.de; Quelle: Westfälische Wilhelms-Universität Münster