Schulungsprogramm für Patienten soll Lebensqualität steigern

Wenn Gewicht, Blutdruck und Sauerstoffsättigung des Lebenssaftes von der Wohnzimmercouch aus dem Arzt per Telefon übermittelt werden, dann nutzen Patienten mit CHI Telemonitoring. Während dieser Programme überwachen sich die chronisch kranken Menschen kontinuierlich selbst bei sich zu Hause und müssen nicht extra ins Krankenhaus: Körperliche Parameter werden erfasst, dem Arzt übermittelt und eine Therapie individuell angepasst und durchgeführt. Die Vorteile: Der Patient bleibt in vertrauter Umgebung und die Behandlungskosten werden gesenkt. Der Schwachpunkt: Der Patient.

In Deutschland leiden jedes Jahr um die 200.000 Menschen an einer chronischen Herzinsuiffizienz. Und die demographische Entwicklung führt dazu, dass es immer mehr werden. Zwar soll die Telemedizin das wachsende Problem unter Kontrolle bringen, allerdings sind die Patienten, die mit der schwerwiegenden Krankheit allein zuhause sind, oft überfordert. Sie schätzen Symptome falsch ein, gehen zum Arzt oder direkt ins Krankenhaus, obwohl das eigentlich unnötig wäre. Die Folge: Der Patient ist verunsichert, Behandlungskosten fallen an und der gesundheitsökonomische Vorteil, den die Telemedizin verspricht, ist hinfällig.

Das Schulungsprogramm „Telemedizin fürs Herz“ einer großen deutschen Krankenkasse und der Deutschen Stiftung für Chronisch Kranke soll Patienten mit CHI die nötige Sicherheit vermitteln. Zur Zeit wird in einer Studie mit 413 Patienten das telemedizinisches Schulungs- und Betreuungsprogramm getestet. Das Ziel ist, dem Patienten eigenverantwortliches Handeln mit ihrer Krankheit zu vermitteln.

Während des Programms schulen und betreuen Ärzte die Patienten über 27 Monate. Im ersten halben Jahr findet die telemedizinische Betreuung in Abstimmung mit dem behandelnden Arzt statt. Dabei werden die Patienten auch über gesundheitsförderndes Verhalten informiert. Danach lernen die Patienten in drei Monaten, selbstständig ihre Werte zu ermitteln und weiter zu geben. In der dritten Phase, die 18 Monate dauert, wird bisher erlerntes gefestigt. „Statt die Patienten mit einem dauerhaften Fernmonitoring zu versorgen, entwickeln die Teilnehmer im Sinne eines Patienten-Empowerment über das Programmende hinaus, ein dauerhaftes Sicherheitsgefühl. Sie werden dazu motiviert, täglich und eigenverantwortlich Gewichts-, Blutdruck- und Pulsmessungen vorzunehmen und diese zu dokumentieren und weiterzuleiten“, erklärt Jörg Pelleter von der Stiftung für chronisch Kranke.

„Neben der Senkung der Sterblichkeit, einer Verbesserung der Lebensqualität und einer Optimierung der medikamentösen Therapie ist die Reduzierung der Hospitalisationsrate das vorrangige, quantifizierbare Ziel des Programms“, unterstreicht Pelleter. Verändere sich der Gesundheitszustand der Patienten, würden die Teilnehmer und ihr Arzt auf eventuell bedrohliche Entwicklungen hingewiesen. Der Arzt könne dann die entsprechenden Medikamente und Behandlungen für den Patienten erstellen. Fortschritte im Betreuungsprogramm würden über regelmäßige Gesundheitsberichte festgehalten. So können Patienten mit Hilfe des Erlernten aus den Schulungen und sogenannten „Nurse-Calls“ bei gesundheitlichen Problemen entsprechend reagieren, noch bevor es zu einer unausweichlichen Krankenhauseinweisung oder einem Notfall komme.

Ob das Schulungsprogramm alle gewünschten Erfolge erzielt, ist im Moment noch nicht eindeutig erkennbar. Die ersten Zwischenergebnisse besagen, dass bei 8,5 Prozent der 413 teilnehmenden Patienten, eine stationäre Wiederaufnahme verhindert werden konnte. Auch die Mortalitätsrate von 2,8 Prozent sei sehr gering im Vergleich zu Programmen ohne entsprechende Schulung. Mit einer endgültigen Auswertung des Schulungsprogramms für CHI-Patienten wird Mitte des Jahres gerechnet.

MEDICA.de