Schwachstrom nach Schlaganfall

Foto: Mann ist am Kopf verkabelt

Ein Patient bei der Schwachstrom-
therapie; © Sparing

Wissenschaftler der Klinik für Neurologie der Uniklinik Köln und des Helmholtz-Forschungszentrums Jülich haben herausgefunden, dass Aufmerksamkeits- und Orientierungsstörungen bei einem Teil von Schlaganfall-Patienten auf einer fehlerhaften Anpassung des Gehirns beruhen. Das gestörte Zusammenspiel der verschiedenen Hirnhälften könnte dabei durch die gezielte Anwendung schwacher Gleichstromfelder korrigiert werden, so dass eine Funktionsverbesserung auch noch nach mehreren Monaten möglich wird, erklärten die Neurowissenschaftler.

Die Forscher um Professor Gereon Fink und Doktor Roland Sparing untersuchten Patienten, die aufgrund eines Schlaganfalls eine Hälfte ihrer Umgebung beziehungsweise des eigenen Körpers nicht oder nur schlecht wahrnehmen oder missachten. Dabei konnten sie zeigen, dass der Neglekt, wie diese Störung bezeichnet wird, sich besserte, nachdem mehrere Minuten lang schwacher Strom durch den Scheitellappen der Patienten geflossen war. Der Schwachstrom, der mittels zweier einfacher Elektroden und einer Batterie appliziert wurde, führte zu einer signifikanten Verbesserung der Hirnleistung, ohne dass dabei Nebenwirkungen auftraten.

Der Ansatz der Wissenschaftler eröffnet Möglichkeiten, gezielt erworbene Hirnleistungsstörungen nach einem Schlaganfall zu behandeln. In weiteren Tests wollen sie ihre Stromtherapie bei einer größeren Patientenzahl und weiteren Schlaganfallbedingten Störungen anwenden, erklärt Sparing. Die Therapie sei kein Wundermittel, aber könnte zusätzlich zu den bekannten Rehabilitationstherapien und Medikamenten eingesetzt werden, betont er.

MEDICA.de; Quelle: Uniklinik Köln