Schwangere gegen Influenza zumeist unzureichend geschützt

29.03.2017

In Deutschland sind schwangere Frauen und ihre Ungeborenen regional sehr unterschiedlich gegen Influenza geschützt. Dies belegt erstmals eine Studie der Wissenschaftler vom Versorgungsatlas auf der Basis ambulanter Versorgungsdaten.

Bild: Eine Schwangere erhält eine Impfung; Copyright: panthermedia.net/imagepointfr

Die aktuelle Studie des Versorgungsatlas zeigt, dass Schwangere in Deutschland nur unzureichend gegen Influenza geschützt sind; ©panthermedia.net/ imagepointfr

Auffallend sind die ausgeprägten regionalen Unterschiede zwischen den Bundesländern sowie innerhalb der Länder auf Kreisebene. Sachsen-Anhalt liegt deutlich bei den Impfraten vorn.

Infizieren sich werdende Mütter mit der echten Grippe (Influenza), erkranken sie schwerer als andere Frauen. Ihre Sterblichkeit ist höher sowie das Risiko, dass sie eine Frühgeburt erleiden. Ist die Schwangere indes gegen Grippe geimpft, wirkt sich diese Immunisierung auch positiv auf das Neugeborene aus. Die Säuglinge geimpfter Frauen müssen in den ersten sechs Lebensmonaten seltener wegen schwerer Atemwegsinfektionen in einem Krankenhaus behandelt werden. Darum empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) seit 2010 für Schwangere eine saisonale Influenza-Impfung.

Allerdings wird diese Empfehlung regional unterschiedlich umgesetzt. Das zeigt eine Untersuchung der Wissenschaftler vom Versorgungsatlas. Die Forscher haben erstmals auf der Basis bundesweiter ärztlicher Abrechnungsdaten den Impfstatus von jeweils rund 450.000 werdenden Müttern in den Jahren 2010 bis 2014 erhoben. Die Untersuchung umfasste somit in jedem Untersuchungsjahr jeweils 75 Prozent aller gesetzlich versicherten Schwangeren.

Im Bundesdurchschnitt waren im Jahr 2010 zehn Prozent und 2014 elf Prozent der Schwangeren effektiv gegen eine Grippe geschützt. "Effektiv" bedeutet, dass die Forscher auch Impfungen erfasst hatten, die vor Beginn der Schwangerschaft erfolgt waren und noch ihre schützende Wirkung entfalteten. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern schwankten 2014 zwischen 24 Prozent in Sachsen-Anhalt und sechs Prozent in Bayern.

Noch ausgeprägter sind die Unterschiede auf der Ebene der Kreise. Hier schwanken die Werte zwischen knapp einem Prozent in vier bayerischen Kreisen (Dingolfing, Garmisch-Partenkirchen, Kaufbeuren und Pfaffenhofen) und 30 bis 38 Prozent in drei Landkreisen in Sachsen-Anhalt (Jerichower Land, Altmarkkreis Salzwedel, Börde) und dem Kreis Helmstedt in Niedersachsen. Weitere Impfschwerpunkte fanden die Forscher in Brandenburg, Schleswig-Holstein sowie in einzelnen Kreisen in der Mitte Deutschlands und Nordrhein-Westfalen. "Diese ausgeprägten Unterschiede weisen auf regional und lokal unterschiedliche Einstellungen bei Bevölkerung und Ärzten gegenüber der Grippeimpfung im Allgemeinen und bei Schwangeren im Besonderen hin", erklärt Dr. Jörg Bätzing-Feigenbaum, der Leiter des Versorgungsatlas. Die Gründe dafür sollten in weiteren Studien untersucht werden. Insgesamt gelte es, die Impfraten gegen Influenza zu verbessern.

Die Untersuchung wurde mit den bundesweiten vertragsärztlichen Abrechnungsdaten der Jahre 2009 bis 2015, den sogenannten VDX-Daten durchgeführt. Auf einer sehr komplexen methodischen Grundlage wurden für die Jahre jeweils Schwangerenkohorten gebildet. Die Größe der Kohorten umfasste zwischen 444.375 und 478.444 Schwangere, jeweils etwa 75 Prozent aller Schwangerschaften bei Frauen, die in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert sind. Berechnet wurde der Anteil der Schwangeren pro Kohorte, die während der Schwangerschaft geimpft worden waren, die sogenannte "Basisimpfrate". Außerdem wurden bereits vor dem Eintreten der Schwangerschaft veranlasste Influenzaimpfungen berücksichtigt, durch die auch während der Schwangerschaft noch Impfschutz bestand. Zusammen mit der "Basisimpfrate" ergibt dies die "effektive Impfrate". Die Impfraten wurden für alle Landkreise und kreisfreien Städte berechnet. Außerdem wurden statistische Methoden eingesetzt, um (räumliche) Zusammenhänge zu erkennen.

MEDICA.de; Quelle: Versorgungsatlas

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