Schwangerschaft: Toxoplasmose-Screening verringert Infektionsrate

12.11.2014
Foto: Bauch einer Schwangeren, im Hintergrund Katze

Eine erstmalige Erkrankung einer Schwangeren mit Toxoplasmose, etwa durch Kontakt mit Katzenkot, kann zu erheblichen Schädigungen des ungeborenen Kindes führen; ©panthermedia.net/ wtolenaars

Vor 22 Jahren wurde an der Medizinischen Universität Wien das weltweit einzigartige Toxoplasmose-Register etabliert, in dem österreichweit alle schwangeren Frauen mit akuter Toxoplasma-Infektion und Kinder mit im Mutterleib „erworbener“ Infektion erfasst werden.

Mit Hilfe dieses Screenings und der damit einher gehenden Präventionsmaßnahmen konnten die Fälle von angeborener Toxoplasma-Infektion seither deutlich gesenkt werden: Während es früher bei 78 von 10.000 Lebendgeburten eine Infektion gab, ist heute nur noch eines von 10.000 Neugeborenen betroffen.

Diese Erfolgsbilanz an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni Wien (Toxoplasmoselabor und –Nachsorgeambulanz) wurde nun von Andrea-Romana Prusa und David Kasper in einer Studie zusammengefasst.

„Auch die Effizienz des österreichischen Therapieschemas konnte belegt werden“, sagt Prusa. „Die antiparasitäre Therapie für Schwangere und Kinder ist gut verträglich. Durch die Therapie für das Kind ist das Auftreten der klassischen Trias von Netzhautentzündung, Hirnverkalkungen und Wasserkopf eine Rarität geworden. Zudem handelt es sich um eine kostengünstige Präventionsstrategie.“ Schwere Fälle von Toxoplasmose sind in Österreich mittlerweile Einzelfälle. Weiterer positiver Faktor des Registers: „Wir haben mit dessen Hilfe einen Überblick über alle Infektionen in der Schwangerschaft und das Outcome der Kinder seit 1992.“

Bei Frauen, die einmal eine Toxoplasma-Infektion hatten, bilden sich Antikörper im Blut. Daher sind sie gegen eine Ansteckung praktisch immun und auch der Fetus geschützt. Eine erstmalige Erkrankung der Mutter in einer Schwangerschaft kann aber zu erheblichen Schädigungen des ungeborenen Kindes führen – bis hin zur Fehlgeburt. Jedes vierte infizierte Kind hat eine geistige und/oder körperliche Beeinträchtigung.

Der Erreger der Toxoplasmose ist ein einzelliger Parasit (Toxoplasma gondii), der weltweit verbreitet ist und viele Wirbeltiere und auch den Menschen befallen kann. Sogenannte Endwirte des Parasiten sind Hauskatzen. Die Eier des Parasiten werden mit dem Katzenkot ausgeschieden. Über die Erde gelangen die Eier auch auf Nutztiere, wo sie unter anderem in der Muskulatur Gewebezysten bilden. Menschen können sich entweder durch Oozysten im Katzenkot und damit verschmutzter Erde oder durch Zysten in rohem oder halbrohem Fleisch infizieren.

Ein gesunder Erwachsener bemerkt die Infektion normalerweise nicht. In seltenen Fällen kommt es zu Lymphknotenschwellungen, Gelenks- und Muskelschmerzen, aber auch zu grippeähnlichen Beschwerden. Bei Menschen mit einer Schwächung des Immunsystems kann die Infektion allerdings zu lebensbedrohlichen Krankheitsbildern führen. Die Diagnose erfolgt über eine Blutabnahme. In Österreich wird jede schwangere Frau im Rahmen des Mutter-Kind-Passes auf eine Toxoplasma-Infektion hin untersucht. Die Erstuntersuchung erfolgt optimaler Weise vor der 9. Schwangerschaftswoche. Nicht-infizierte Frauen sollen regelmäßig in der Schwangerschaft getestet werden.

MEDICA.de; Quelle: Medizinische Universität Wien