Bei der Erforschung der Epilepsie legen die Wissenschaftler zunehmend auch ein Augenmerk auf pränatale Einflussfaktoren. In einer Studie sollten nun verschiedenen Schwangerschafts- und Geburtsparameter untersucht werden in Bezug darauf, ob sie einen Einfluss auf das spätere Epilepsierisiko eines Kindes haben. Dr. Linda Dodds von der Dalhousie University, Halifax, Kanada, unternahm diese Untersuchung.

In diese Studie flossen Daten von Kindern ein, die zwischen Januar 1986 und Dezember 2000 in Krankenhäusern von Nova Scotia in Kanada geboren worden waren. Die Neugeborenen wurden bis zum Dezember 2001 nachverfolgt. Grundlage der Untersuchung waren zwei Datenbanken: die „Nova Scotia Atlee Perinatal Database“ und das „Canadian Epilepsy Database and Registry“.

Exakt 124.207 Lebendgeburten gaben die Daten für diese Studie. Innerhalb des Untersuchungszeitraums traten bei 648 Kindern epileptische Anfälle auf. Das entspricht einer Rate von 63 Fällen pro 100.000 Personenjahr. Am höchsten war die Inzidenz bei Kindern unter einem Jahr.

Folgende Faktoren haben offensichtlich einen Einfluss auf das Epilepsierisiko: Eklampsie, neonatale Krampfanfälle, Anomalien des zentralen Nervensystems, größere Anomalien außerhalb des zentralen Nervensystems, vorausgegangene Geburten mit untergewichtigen Kindern, Infektionen in der Schwangerschaft sowie die Geburt eines kleinen und schwachen Kindes. Auch Neugeborene, deren Mütter unverheiratet sind und die nicht gestillt werden, haben offenbar ein erhöhtes Risiko, an Epilepsie zu erkranken.

Die meisten dieser Einflussfaktoren erhöhen auch das Risiko anderer nachgeburtlicher Erkrankungen, sind also nicht spezifisch für Epilepsien. Studienleiterin Dodds schlägt daher vor, diese Risikofaktoren ganz allgemein zurückzudrängen.

MEDICA.de; Quelle: Pediatrics 2006, Vol. 117, S. 1298-1306