Notfallmedizin: Schwerverletzte in Deutschland am besten versorgt

02/10/2013
Foto: Autounfall

Neun von zehn schwer verletzten Unfallpatienten überleben dank des TraumaRegistersDGU sowie des TraumaNetzwerksDGU; © panthermedia.net/Thomas Iskra

In Deutschland verletzen sich jährlich bis zu 35 000 Menschen bei Unfällen. Um eine flächendeckende und qualitätsgesicherte Versorgung dieser Patienten zu gewährleisten, hat die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) das TraumaNetzwerk DGU und das TraumaRegisterDGU ins Leben gerufen. Mit dieser Initiative ist Deutschland in der Schwerverletztenversorgung weltweit führend.

So stößt das Konzept nun auch bei vielen ausländischen Kliniken auf Interesse. Ende 2013 wird mit den Daten erstmals eine repräsentative Darstellung der Schwerverletztenversorgung in Deutschland möglich sein.

In den 1990er Jahren verstarb etwa jeder vierte Schwerverletzte in der Klinik an den Folgen seiner Verletzungen. Diese hohe Sterberate konnten Unfallchirurgen in den letzten 20 Jahren deutlich verbessern: „Heute überleben neun von zehn dieser Patienten“, erläutert Prof. Reinhard Hoffmann, Präsident der DGU. „Das haben wir vor allem der Einführung des TraumaRegistersDGU sowie des TraumaNetzwerksDGU zu verdanken. Diese konnte die Versorgungsqualität und -effizienz sowie den Erkenntnisgewinn in der Versorgungsforschung in Deutschland maßgeblich steigern.“ Auch ausländische Kliniken beteiligen sich immer mehr.

Das TraumaRegisterDGU ist das weltweit umfangreichste Register und umfasst derzeit über 100 000 Patientenfälle. Es wurde bereits vor 20 Jahren mit dem Ziel gegründet, die Behandlungsqualität von Schwerverletzten flächendeckend zu sichern und zu standardisieren. Im Register werden wesentliche Informationen zur Versorgung von Schwerverletzten aller teilnehmenden darauf spezialisierten Kliniken erfasst und können individuell ausgewertet werden. Derzeit sind 905 Kliniken im TraumaNetzwerkDGU angemeldet. Sie zeichnen sich durch bestimmte Ausstattungsmerkmale, wie Hubschrauberlandeplatz, Schockraum, Computertomographie, Not-OP, Intensivstation oder Blutbank aus. Außerdem müssen sie über eine 24-stündige Verfügbarkeit ihrer hochqualifizierten unfallchirurgischen Fachabteilung oder ihres Schockraumteams vorweisen.

Auch auf größere Ereignisse mit 500 Verletzten sind diese Traumazentren gut vorbereitet. Beispielhaft bestandene Bewährungsproben sind die schweren Eisenbahn- oder Busunglücke der letzten Jahre oder die Love-Parade Katastrophe. Rettungsleitstellen, Rettungsdienste und Kliniken arbeiten stark vernetzt. Die flächendeckende Luftrettung in Deutschland mit Rettungshubschraubern ist zudem weltweit beispielhaft. Auch die Telemedizin wird zunehmend eingesetzt, um Kapazitäten abzugleichen oder Befunde zu übermitteln.

Nach Einbindung aller an der Traumaversorgung in Deutschland teilnehmenden Ende 2013, wird erstmals eine repräsentative Darstellung der Schwerverletztenversorgung in Deutschland mit rund 30 000 Fällen pro Jahr möglich sein.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie