Chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (chronic obstructive pulmonary disease: COPD) werden häufig unterschätzt. Dabei können sie potentiell tödlich verlaufen. Verschiedene Arbeitsgruppen haben versucht, mögliche prognostische Parameter zu finden, die das Mortalitätsrisiko mit ausreichender Genauigkeit voraussagen können. Vorgeschlagen wurde unter anderem die Gehstrecke, die innerhalb von sechs Minuten bewältigt werden kann. Beim Laufen werden sowohl die Lungen benötigt als auch das Herz und das muskuläre System. In einer Studie sollte jetzt untersucht werden, inwiefern die Sechs-Minuten-Gehstrecke tatsächlich eine Aussagekraft für das Mortalitätsrisiko bei COPD-Patienten hat.

An dieser Studie nahmen 1.379 Patienten teil, die an einer schweren COPD litten. Das Alter reichte von 31 bis 91 Jahren. Zu Beginn der Studie und immer wieder im Abstand von sechs Monaten wurden die Patienten umfangreich getestet. Unter anderem bestimmte man dabei die Sechs-Minuten-Gehstrecke der Probanden.

Innerhalb des Beobachtungszeitraums von bis zu 150 Monaten – 55 Monate im Durchschnitt – verstarben 623 Patienten. Die Hälfte von ihnen war direkt an der COPD gestorben, 20 Prozent der Todesfälle dagegen waren auf andere respiratorische Probleme beziehungsweise auf Lungenkarzinome zurück zu führen.

Beim Abgleich mit der Sechs-Minuten-Gehstrecke der Probanden zeigte sich, dass eine Strecke von 350 Metern die höchste Aussagekraft in Bezug auf das Mortalitätsrisiko hat: Pro 50 Metern, die die Patienten weniger schaffen innerhalb der sechs Minuten, steigt das Mortalitätsrisiko um 18 Prozent.

Bei jenen Patienten, deren Laufleistung unter 350 Metern blieb, lag die Gesamtmortalität bei 66 Prozent und die COPD-Mortalität bei 40 Prozent. Oberhalb dieser Schwelle starben „nur“ 30 Prozent der Patienten, elf Prozent an ihrer COPD.

MEDICA.de; Quelle: European Respiratory Journal 2008, Vol. 31, S. 571-578