Sehen in der Dämmerung

Katzen in der Dämmerung sehen -
Cx36 macht es möglich
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Davon können Kamerabesitzer nur träumen: Bei schlechten Lichtverhältnissen wird das Auge binnen einer halben Stunde mehrere Millionen mal empfindlicher. Eine wichtige Rolle bei der Dunkeladaption spielen die so genannten Amacrin II-Zellen in der Netzhaut: Sie schalten von den vergleichsweise unempfindlichen Zapfen um auf die weit sensitiveren Stäbchen. Da diese nur Helligkeitsunterschiede registrieren und keine Farben, sind nachts alle Katzen grau. Bei Dämmerung "bündeln" die Amacrin II-Zellen zusätzlich die Signale von mehreren Stäbchen. Dieser Trick steigert die Empfindlichkeit noch einmal erheblich.

Wie diese "Pixelzusammenschaltung" im Auge genau funktioniert, war bislang nur ungenau bekannt. Eine Studie unter Bonner Federführung bringt nun im wahrsten Sinne des Wortes mehr Licht ins Dunkel. Demnach scheinen sich bei Dämmerung in den Amacrin II-Zellen der Maus mehr interzelluläre Kanäle zu öffnen. Dadurch schließen sie sich temporär zu einem ausgedehnten Netzwerk zusammen. Dieses Netzwerk bündelt die Informationen mehrerer lichtempfindlicher Stäbchen. Letztlich wirkt das Ganze wie ein Trichter, der die einzelnen elektrischen Impulse benachbarter Stäbchen zu einem Gesamtsignal zusammenfasst.

Bei genügend Licht wird die Signalbündelung abgeschaltet. Den Startschuss dazu gibt das so genannte Dopamin. "Die Netzhaut bildet es bei Lichteinfall", erklärt der Bonner Genetik Professor Klaus Willecke. "Dopamin setzt eine Signalkaskade im Gang, die schließlich dazu führt, dass sich ein ganz bestimmter Kanal in den Amacrin II- Zellen schließt - das so genannte Connexin 36."

Auch den passenden Korken für "Cx36" - so die Abkürzung - scheint das Forscherteam schon gefunden zu haben. "Unter Dopamin-Einfluss sorgt augenscheinlich ein bestimmtes Enzym dafür, dass sich eine Phosphat-Gruppe an Cx36 bindet und den Kanal inhibiert", sagt Willecke. Es ist das erste Mal, dass dieser Mechanismus in der Netzhaut direkt nachgewiesen wurde.


MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn