Bild: Melanom 
Proteine aus Netzhautzellen
beim Melanom entdeckt
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Seh- oder Photorezeptorproteine, die einfallendes Licht in ein elektrisches Signal umwandeln, charakterisieren Zellen der Netzhaut. Die Proteine werden im gesunden Organismus nur in der Netzhaut und in der Zirbeldrüse gebildet. Wissenschaftler der Klinischen Kooperationseinheit Dermatologische Onkologie des Deutschen Krebsforschungszentrums wiesen zusammen mit Kollegen acht der insgesamt zwölf Photorezeptorproteine auch in Melanomzellen nach.

Dieser hochinvasive schwarze Hautkrebs entsteht aus entarteten Melanozyten, den pigmentbildenden Zellen der Haut. Diese sind entwicklungsgeschichtlich mit den Sehzellen verwandt, da beide der neuroektodermalen Linie des frühen Embryos entstammen. In gesunden Pigmentzellen dagegen fanden die Wissenschaftler zwar Transkripte, also Abschriften der Photorezeptorgene, konnten aber keines der Proteine nachweisen.

Die Netzhaut gehört zu den wenigen so genannten immunprivilegierten Geweben, die vom Abwehrsystem des Körpers nicht überwacht werden. Daher sollten Immunzellen die Photorezeptorproteine in Hautkrebszellen als "fremd" einstufen und Abwehrmaßnahmen gegen sie in die Wege leiten.

Dies ist tatsächlich bei rund einem Viertel der untersuchten Melanompatienten der Fall: Sie bilden Antikörper gegen verschiedene Sehproteine, so zeigten die Autoren. Eine vergleichbare Situation ist für ein anderes immunprivilegiertes Organ, die männlichen Keimdrüsen, beschrieben: Proteine, die dieses Gewebe charakterisieren, sind ebenfalls als Tumormarker und Ziel der Immunantwort beim Melanom bekannt.

Der Projektleiter Professor Dr. Stefan Eichmüller vom Deutschen Krebsforschungszentrum erklärt: "Wir können in Analogie zur bekannten Gruppe der Tumor-Hoden-Antigene eine neue Gruppe der Tumor-Netzhaut-Antigene definieren. Ob sich diese Proteine als Angriffspunkte für eine Immuntherapie des schwarzen Hautkrebses eignen, muss allerdings erst geprüft werden."

MEDICA.de; Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum