Sehstörung bleibt oft unbemerkt

Betroffene nehmen bestimmte Bereiche ihres Gesichtsfeldes nicht mehr wahr. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) empfiehlt deshalb, dass hirngeschädigte oder -verletzte Menschen sich nach der Genesung auch augenärztlich untersuchen lassen, bevor sie ihren Alltag wieder aufnehmen.

Wissenschaftler untersuchten 15 Personen mit Ausfällen im Gesichtsfeld. Einigen Patienten fehlte ein Viertel oder sogar die Hälfte des normalen Sehfeldes. Dennoch fühlten sich die Betroffenen im Alltag nicht beeinträchtigt. Blinde Menschen sind mitunter kontaktschwach oder ziehen sich zurück, so die Autoren. Dies sei bei den Patienten mit Gesichtsfeldausfällen jedoch nicht feststellbar. Erst in einem speziellen Fragebogen zu Sehstörungen gaben die Betroffenen leichte Einschränkungen im Sozialleben und Probleme beim Autofahren an. Diese beeinträchtigten jedoch nicht ihr allgemeines Befinden.

Die Ergebnisse bestätigen die Erfahrungen von Augenärzten: "Solange der Bereich des schärfsten Sehens nicht betroffen ist, werden auch größere Gesichtsfeldausfälle oftmals nicht als Beeinträchtigung empfunden", erläutert Professor Frank Holz, Präsident der DOG. Selbst der Ausfall des halben Gesichtsfeldes, die Hemianopsie, werde mitunter noch als normal empfunden: "Viele Patienten wundern sich lediglich darüber, dass sie sich häufiger an Türen stoßen oder mit anderen Personen kollidieren." Einigen fällt es auch schwer, beim Lesen den Anfang der nächsten Zeile zu finden.

Zur Gefahr werden Ausfälle im Umfeldsehen im Straßenverkehr. Autofahren ist Menschen mit größeren Gesichtsfeldausfällen verboten. Da viele Betroffene sich ihrer Beeinträchtigung jedoch nicht bewusst sind, führen in Deutschland, so die DOG, Menschen mit solchen Ausfällen einen PKW.

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften