Dass orale Kontrazeptiva nicht harmlos sind, weiß man. Vor allem Wirkstoffe und Kombinationen der ersten Generationen können das kardiale Risiko erhöhen. Studien gibt es auch zu den niedrig-dosierten oralen Kontrazeptiva der jüngsten Generation. Deren Ergebnisse waren aber inkonsistent. Ein erhöhtes kardiales Risiko für Frauen konnte nicht durchgängig nachgewiesen werden.

Vielleicht hilft eine Meta-Analyse der einschlägigen Studien weiter? Das dachten sich kanadische Wissenschaftler der University of Sherbrooke in Quebec und unterzogen 14 Studien einer solchen Meta-Analyse, um das Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen bei Anwenderinnen niedrig dosierter oraler Kombinationspräparate zu untersuchen.

Das Risiko solcher Ereignisse wie Myokardinfarkt oder ischämischem Insult ist auch bei den niedrig-dosierten oralen Kontrazeptiva signifikant auf das 1,84-fache beziehungsweise 2,12-fache erhöht. Etwas differenziertes das Ergebnis, wenn man sich die Kontrazeptiva der zweiten und dritten Generation getrennt ansieht: Bei beiden ist das Risiko eines ischämischen Schlaganfalls erhöht. Einem erhöhten Myokardinfarktrisiko setzen sich dagegen offenbar nur Anwenderinnen oraler Kontrazeptiva der zweiten Generation aus.

Die Studienautoren kommen zu einem differenzierten Urteil: Wenn gesunde Frauen über einen beschränkten Zeitraum hinweg moderne orale Kontrazeptiva einnehmen, dann sei das kardiovaskuläre Risiko vernachlässigbar. Vor allem im Verglich zum erstrebten Nutzen der Verhütung. Anders bei Frauen mit Risikofaktoren, die solche Wirkstoffkombinationen über einen längeren Zeitraum einnehmen möchten. Bei ihnen sollten Ärzte andere Mittel der Empfängnisverhütung in Erwägung ziehen, so die Autoren.

MEDICA.de; Quelle: Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism 2005, Vol. 90; S. 3863-3870