"Alleine fünf bis acht Prozent der Deutschen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren zeigen behandlungsbedürftige depressive Symptome", sagt Prof. Dr. Ulrich Stangier von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die Dimension der "Volkskrankheit Depression" wird noch deutlicher, berücksichtigt man die hohe Rückfallquote. "Acht von zehn Patienten erleiden mehrfach depressive Episoden. Selbst bei prophylaktischer Einnahme von antidepressiven Medikamenten sind es noch etwa 40 Prozent", so der Jenaer Psychologe.

Ein neues Therapie-Konzept soll die Zahl nun senken. "Wir wollen mit einer verbesserten Behandlung, die auf die Kombination von antidepressiven Medikamenten und Psychotherapie setzt, das Rückfallrisiko deutlich senken", erklärt Prof. Stangier als Hauptprojektleiter.

Zwar ist die Wirksamkeit von Antidepressiva durch wissenschaftliche Studien gut belegt. "Wir wollen überprüfen, ob sich mit einer kognitiven Therapie langfristig noch bessere Erfolge erzielen lassen", sagt Stangier. "In unsere multizentrische Studie werden insgesamt 170 Patienten einbezogen", sagt Stangier. Speziell trainierte Therapeuten werden mit den Patienten, die in den Kliniken ambulant behandelt werden, über mindestens acht Monate arbeiten.

"Unsere Therapie setzt bei den Problemverarbeitungsmustern der Patienten an und ist auf die Aktivierung und Stärkung eigener, bereits vorhandener Fähigkeiten und Ressourcen gerichtet. Sie sollen lernen, sich von negativen Gedanken zu lösen, eigene Stärken und Erfolge besser zu erkennen und ein positives Selbstwertgefühl zu entwickeln", erklärt der Psychologe. Gespräche mit dem Therapeuten stünden neben Übungen zur Meditation, Rollenspielen und Belastungstests. Alles sei darauf gerichtet, dem Betroffenen praktische Hilfestellung für den Lebensalltag zu geben, seine Eigenschutzfaktoren zu stärken und ihn weniger anfällig für Rückfälle in die Depression zu machen.

MEDICA.de; Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena