Wie man weiß, erhöhen geringe Selenium-Spiegel im Blut die Virulenz des HI-Virus und steigern die Inzidenz opportunistischer Infektionen. In vitro hemmt Selenium die HIV-1-Replikation Man glaubt, dass Selenium jenen oxidativen Stress abmildert, der dann entsteht, wenn HIV proinflammatorische Zytokine ansteigen lässt. Selbst unter der hochwirksamen antiretroviralen Therapie vermehrt sich das Virus noch weiter, da es sich der Medikation anpassen kann. Daher hat man überlegt, ob die zusätzliche Gabe von Selenium zur HIV-Therapie nicht sinnvoll sein könnte.

Dies hat nun eine Studie untersucht, für die man 262 HIV-Infizierte gewinnen konnte. Randomisiert erhielten sie täglich 200 Milligramm Selenium in einem Hefepräparat oder ein Hefepräparat ohne Selenium. Hefe wurde deshalb gewählt, weil sie Selenium in einer organischen, bioverfügbaren Form bereithält.

Zu Beginn der Studie lag der Selenium-Spiegel bei den Probanden bei durchschnittlich 111 mg/L. Unter dem Verum stieg der Spiegel um 32.2 mg/L, unter Placebo nur um 0.5 mg/L. Während sich in der Placebo-Gruppe die Viruslast um bis zu 20.000 Kopien/mL erhöhte, blieb sie in der Verumgruppe nahezu unverändert. Dort stieg dagegen die Zahl der CD4-Zellen an.

Leider konnten nicht alle Probanden das angebotene Selenium absorbieren, es gab auch einige Non-Responder. Als man nur jene Gruppe der Probanden untersuchte, die Selenium nachweislich absorbiert hatten, zeigte sich sogar ein Rückgang der Zahl an Viruskopien um durchschnittlich 10.000 pro mL. Bei den Non-Respondern war das Ergebnis vergleichbar mit jenem in der Placebogruppe.

Hohe Selenium-Spiegel wirkten völlig unabhängig von der jeweiligen HIV-Therapie. Einige der untersuchten Probanden waren therapie-naiv. Auch bei ihnen schwächte sich die Virulenz des Virus ab.

MEDICA.de; Quelle: Archives of Internal Medicine 2007, Vol. 167, S. 148-154