Die oft sehr positiven Ergebnisse einer Lebertransplantation werden nicht selten durch Komplikationen als Folge der Kortikosteroideinnahme zunichte gemacht. Dazu gehören zum Beispiel kortikosteroid-induzierte osteoartikuläre Beschwerden, die Osteoporose oder die aseptische Osteonekrose.

Nun berichten französische Forscher des Hopital Lariboisiere in Paris von vier Fällen, in denen es zwischen 1984 und 2000 nach einer Lebertransplantation zu rapiden Chondrolysen gekommen war. Diese vier Fälle waren nur ein sehr geringer Teil der insgesamt 1.260 Lebertransplantationen, die in diesem Zeitraum an diesem Krankenhaus vorgenommen wurden. Dafür waren die Krankheitserscheinungen um so schwerwiegender: Einige Gelenke obliterierten völlig, darunter die Hüft-, Knie- und Schultergelenke. Bei jedem Patienten waren zwischen drei und sechs Gelenke betroffen. Noch zwei bis zwölf Jahre nach der Lebertransplantation konnte man diese Zeichen nachweisen.

Die Wissenschaftler schlossen unterschiedliche Erkrankungen aus, von denen man weiß, dass sie mit einer Zerstörung der Gelenke einhergehen. Dazu gehören etwa die septische oder entzündliche Arthritis, neurologische Erkrankungen, die Hydroxyapatit-assoziierte Arthritis, Ochronose, Hämochromatose, Hämodialyse und avaskuläre Nekrosen. Keine dieser Erkrankungen lag den Gelenkbeschwerden zugrunde.

Die Tatsache, dass bei den vier betroffenen Patienten sowohl gewichtstragende als auch nicht-gewichtstragende Gelenke betroffen waren, spricht nach ihrer Ansicht eher für eine systemische Genese der Gelenkbeschwerden. Sie vermuten, dass dem gelenkzerstörenden Geschehen eine Aktivierung von Metalloproteinasen oder ein Ungleichgewicht intraartikulärer Aufbau- und Abbauprozesse zugrunde liegen könnte. Dies sind aber Vermutungen. Die genaue Ursache der Gelenkzerstörungen ist unklar.

MEDICA.de; Quelle: Annals of the Rheumatic Diseases 2006, Vol. 65, S. 118-120