Seminare für Ärzte: "Für die Sicherheit ihrer Patienten sind Ärzte verpflichtet, sich fortzubilden"

Interview mit Eva Ningel, Geschäftsführerin der beta seminare bonn berlin GmbH (bsbb)

Fortbildungen sind ein wesentlicher Bestandteil des Arztberufes, denn die Forschung liefert immer wieder neue Erkenntnisse, die früher oder später Eingang in die Behandlung von Patienten finden. Wie muss eine Veranstaltung organisiert sein, damit sie den größtmöglichen Nutzen für die Teilnehmer bietet, und nach welchen Kriterien werden die Referenten gewählt?

04/03/2014

Foto: Lächelnde Frau mit langen dunklen Haaren; Copyright: B. Frommann

Eva Ningel; ©B. Frommann

MEDICA.de sprach mit Eva Ningel, Geschäftsführerin der beta seminare bonn berlin GmbH (bsbb).

Frau Ningel, bevor eine Fortbildungsveranstaltung en détail geplant werden kann, muss das Thema klar sein. Nach welchen Kriterien wird das Thema ausgewählt, welche Anregungen erhalten Sie?

Eva Ningel: Zum einen gibt es wertvolle Anregungen zu spannenden medizinischen Themen von Ärzten beziehungsweise Anfragen, ob ein spezielles Thema interessant wäre oder vielleicht schon eine Fortbildung dazu geplant ist. Zum anderen entwickeln wir selbst Ideen, zum Beispiel beim Lesen von Fachliteratur und aktuellen Zeitschriften. Es gibt auch Themen, die aufgrund eines großen Medienaufkommens aufgegriffen werden, wie in den letzten Jahren das Thema "Hygiene im Krankenhaus". Dann überlegen wir, welche Referenten passen könnten und konzipieren in Zusammenarbeit mit Experten aus dem Fachbereich ein mögliches Programm.

Wie überprüfen Sie, ob ein Referent geeignet ist?

Ningel: Um die Qualität der Referenten gewährleisten zu können, arbeiten wir gerne mit renommierten und fachkundigen Experten aus dem jeweiligen Fachgebiet zusammen, die beurteilen können, welche Kollegen in der Referentenauswahl nicht fehlen dürfen. Wichtig ist, dass es sich um unabhängige Personen aus dem Gesundheitswesen handelt, die Freude am Vortragen haben und dem Publikum das Thema näher bringen können.

Wirkt die Industrie bei solchen Veranstaltungen mit?

Ningel: Zum Teil. Oft unterstützen Firmen aus der Industrie eine Veranstaltung zu einem nahestehenden Thema, um ihre Produkte während der Veranstaltung an einem Stand zu präsentieren. Manchmal werden auch Fachvorträge von Firmen zugelassen, die jedoch strengen Richtlinien unterliegen. Es darf sich nicht um einen Vortrag zu Werbezwecken für ein bestimmtes Medizinprodukt handeln. Wir fordern die Vorträge vorher an, um die Einhaltung der Richtlinien zu überprüfen! Wir betreuen aber auch Veranstaltungen, die sich ausschließlich aus Teilnehmerbeiträgen finanzieren.
Foto: Referent auf einem Podium vor Publikum; Copyright: panthermedia.net/ Benis Arapovic

Für Ärzte sind regelmäßige Fortbildungen Pflicht, um sich über neue Therapiemöglichkeiten zu informieren und um eine adäquate Behandlung ihrer Patienten zu gewährleisten; ©panthermedia.net/ Benis Arapovic

Welche Themen sind derzeit besonders spannend?

Ningel: Schon seit vielen Jahren betreuen wir Veranstaltungen im Bereich der Hernienchirurgie. Mit diesen Kursen richten wir uns nicht nur an Chefärzte beziehungsweise etablierte Chirurgen, sondern auch an junge Assistenzärzte und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Fort- und Weiterbildung der deutschen Ärzteschaft in diesem Bereich. Hier stehen nicht nur Live-OPs und Vorträge internationaler Hernien-Spezialisten auf dem Programm, sondern auch praktische Übungen und Hospitationen in Anatomischen Instituten und Kliniken.

Darüber hinaus gibt es Veranstaltungen, die auf bekannte Dinge ein neues Licht werfen möchten. Vor kurzem haben wir eine Veranstaltung mit dem Schwerpunkt Urologie durchgeführt, die den Mann in den Mittelpunkt der medizinischen Diagnose und Therapie gestellt hat. Dieses Thema ist sowohl bei den Teilnehmern als auch bei den Referenten und den Vertretern der Industrie auf große Begeisterung gestoßen. Generell gilt für Gesundheitskongresse und -veranstaltungen, dass es um neue Entwicklungen und neue Therapiemöglichkeiten geht, die den Mediziner auf den aktuellen Stand der Forschung bringen sollen. Außerdem wird durch die Veranstaltung eine Plattform zum gemeinsamen Austausch zwischen Teilnehmern, Referenten und Industrievertretern geschaffen. Durch das Punktesystem der Ärztekammer und für die Sicherheit ihrer Patienten sind die Ärzte verpflichtet, sich fortzubilden. Nach Fertigstellung des Veranstaltungsprogramms wird von uns ein Antrag bei der Ärztekammer eingereicht, um die Veranstaltung zertifizieren zu lassen. Nach Prüfung des Programms wird von der Ärztekammer festgelegt, wie viele Fortbildungspunkte ein Arzt für seine Teilnahme erhalten kann. Auch von dieser Seite wird also nochmals genau geschaut, welche Qualität ein Fortbildungsprogramm hat und ob es für Mediziner sinnvoll ist, diese Veranstaltung zu besuchen.
Foto: Simone Ernst; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann

Das Interview führte Simone Ernst.
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