Vorhofflimmern: Senkung des Sterberisikos

28.08.2013
Foto: EKG

Vorhofflimmern ist mit einem erhöh-
ten Sterberisiko verbunden. Eine individualisierte Behandlung soll mehr Patienten retten; © panthermedia.net/
Sonja Wittke

Europäische Kardiologen empfehlen in einem Bericht, der jetzt gemeinsam vom deutschen Kompetenznetz Vorhofflimmern (AFNET) und der European Heart Rhythm Association (EHRA) herausgegeben wurde, die maßgeschneiderte Behandlung jedes einzelnen Patienten.

Dies sei die einzige Möglichkeit, die Überlebenschancen bei Vorhofflimmern zu verbessern. Diese Herzrhythmusstörung ist mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden. „Die Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt konnte in den letzten 10 bis 15 Jahren um zwei Drittel gesenkt werden, weil die Hauptursachen dieser Krankheit durch gezielte Behandlungsmaßnahmen inzwischen besser bekämpft werden. Beim Vorhofflimmern sind wir noch nicht so weit. Durch die Einführung der oralen Antikoagulation, das heißt der Einnahme von gerinnungshemmenden Medikamenten, können zwar zwei Drittel aller Schlaganfälle bei Vorhofflimmerpatienten verhindert werden. Aber die Patienten haben trotzdem ein höheres Sterberisiko als Gleichaltrige ohne Vorhofflimmern. Und wir sind bis jetzt nicht in der Lage, dieses Sterberisiko wesentlich zu senken, selbst dann nicht, wenn anerkannte Behandlungsmethoden angewandt werden.“ So beschreibt Prof. Paulus Kirchhof, Mitglied des AFNET Vorstands, die Problematik des Vorhofflimmerns.

Kirchhof erklärt: „Eine individuelle Behandlung von Vorhofflimmern erfordert das Verständnis der Krankheitsmechanismen und deren Übersetzung in geeignete Parameter, die wir bei Patienten messen können. Das ist für Vorhofflimmern besonders schwierig, weil der linke Herzvorhof ein kleiner Teil des Herzens ist, der weit hinten im Körper liegt und schwer zugänglich ist.“ Zum Teil werden bereits heute individualisierte Therapieentscheidungen bei Vorhofflimmern getroffen: Die Entscheidung für eine Antikoagulation erfolgt zumeist nach klinisch erfassbaren „Risikofaktoren“. Die Entscheidung zur rhythmuserhaltenden Therapie richtet sich nach der Schwere der Symptome. Dies sind jedoch nur sehr einfache Anfänge auf dem Weg zu einer individualisierten Therapie.

Der Bericht zeigt drei wesentliche Methoden auf, um die Behandlung von Vorhofflimmern basierend auf seinen Ursachen zu individualisieren: das Elektrokardiogramm (EKG), bildgebende Verfahren wie Echokardiographie und Magnetresonanztomographie (MRT) sowie Biomarker, das sind Proteine oder Gene, die im Blut gemessen werden, um den Typ des Vorhofflimmerns zu bestimmen.

Die Experten schlagen eine neue Systematik von Vorhofflimmern vor, die auf der Pathophysiologie der Rhythmusstörung beruht. Kirchhof erläutert: „Die Klassifizierung ist unvollständig, da es Überschneidungen zwischen den Kategorien gibt und die Mehrheit der Patienten in die Gruppe „nicht klassifiziertes Vorhofflimmern“ fällt. Aber sie zeigt, dass wir zunächst besser verstehen müssen, warum bestimmte Patienten Vorhofflimmern bekommen, bevor wir sie anhand von Biomarkern, Bildgebung oder EKG zusätzlich zu den klinischen Parametern klassifizieren und bessere Therapien entwickeln können.“

Zusammenfassend fährt er fort: „Wir hoffen, dass wir in den nächsten paar Jahren eine individualisierte Behandlung empfehlen und dadurch das hohe Sterberisiko dieser Krankheit verringern können. Es gibt noch viel Raum, die Behandlung von Vorhofflimmern zu optimieren, selbst wenn wir all die evidenzbasierten Therapien, die heutzutage verfügbar sind, anwenden.“

MEDICA.de; Quelle: Kompetenznetz Vorhofflimmern