Sich regen bringt Segen: Sogar kranke Menschen profitieren vom Sport

01.07.2016

Kinder spüren es von ganz allein – sich zu bewegen bringt Spaß, macht glücklich und hält fit. Es stellt sich deshalb die Frage, wann und warum dieser natürliche Bewegungsdrang bei vielen mit dem Älterwerden nachlässt? Denn Erkrankungen wie Diabetes Typ II oder Bluthochdruck könnten durch ausreichend Bewegung deutlich zurückgedrängt werden.

Foto: Kinder beim Fußballspielen auf einer Wiese

Kinder bewegen sich gerne und viel - das können Erwachsene oft nicht mehr von sich behaupten. Dabei sorgt ausreichend Bewegung für Ausgeglichenheit; panthermedia.net/anatols

Es ist ein Paradoxon in der westlichen Gesellschaft. Auf der einen Seite lassen sich unweit der meisten Wohngebiete Fitnessstudios und Sportvereine in ausreichender Zahl finden. Darüber hinaus laden Wälder und Parks zur Bewegung im Freien ein. Auf der anderen Seite beklagen immer mehr Ärzte, dass die Gesellschaft zu dick wird. Sicherlich tragen falsche Ernährung und vielfach im Sitzen zugebrachte Zeit in der Schule oder im Büro dazu bei. Doch warum nutzen wir nicht wenigstens unsere Freizeit dafür, uns zu bewegen? Wir würden alle davon profitieren.

Etwas tun, bevor es weh tut

Idealerweise sollte Sport bereits dann getrieben werden, bevor Erkrankungen uns dazu "zwingen". Prävention ist hier das Stichwort. Es gibt sogar ein eigenes Gesetz hierfür, um sicherzustellen, dass im alltäglichen Lebensumfeld , in der Kita, der Schule und dem Arbeitsplatz, alles dafür getan wird, die Entstehung von Krankheiten zu verhindern. Wie dies für Unternehmen umsetzbar ist, erklärt Oliver Hasselmann vom Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung für MEDICA.de im Interview.

Natürlich sind sportliche Betätigungen nur ein Teil der nötigen Maßnahmen – allerdings ein nicht zu unterschätzender. Auch die Krankenkassen haben den Trend der Zeit erkannt und bezuschussen ihren Versicherten oftmals Gesundheitskurse. In vielen Fitnessstudios lassen sich Kurse wie Spinning oder Wirbelsäulengymnastik finden, die die nötigen Voraussetzungen dafür bieten. Es lohnt sich deshalb immer bei seiner Krankenkasse nachzufragen, ob der gewünschte Kurs bezuschusst wird! Hausärzte sollten ihre Patienten auch auf diese Möglichkeit aufmerksam machen. Mehr zum Thema für gesetzlich Versicherte gibt es hier.

Wenn der innere Schweinehund überwunden ist, können Fitness-Tracker beziehungsweise Wearables dabei helfen am Ball zu bleiben. Viele verschiedene Geräte sind hierfür mittlerweile auf dem Markt erhältlich; welches das richtige ist, muss individuell ermittelt werden. Natürlich sind solche Geräte auch Spitzensportlern eine wertvolle Hilfe. Extra für sie wurde vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft zusammen mit der Innovationsmanufaktur das Webportal „Wearables im Spitzensport“ (WISS) geschaffen. Hier können sich Spitzensportler untereinander und mit Firmen austauschen. Hier geht es zum ausführlichen Interview auf MEDICA.de.

Foto: Seniorin trainiert mit Hanteln

Sport ist fast immer gesund - in jedem Alter und selbst bei fast allen Erkrankungen; © panthermedia.net/Kacso Sandor

Es ist nie zu spät

Doch was kann man tun, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist? Lange Zeit wurde Patienten geraten: Je schwerer die Erkrankung, desto besser ist Ruhe. Doch dieses Credo gilt heute nicht mehr. Neueste Forschungen im Bereich der Sportmedizin zeigen: Sogar Krebspatienten und herzkranke Personen profitieren von einem individuell zugeschnittenen Sportprogramm. Dies bestätigt auch Prof. Martin Halle, der MEDICA.de im Juni für ein Interview zur Verfügung stand: "Die Sporttherapie ist bei vielen Erkrankungen von Bedeutung. In den letzten zehn Jahren wurden viele Studien durchgeführt, die nun auch praktische Anwendung finden. Es gibt verschiedene Krankenkassen, zum Beispiel die Techniker Krankenkasse, die Sport als Therapie bereits fest etabliert haben. Sie versuchen den Patienten zu vermitteln, dass es Möglichkeiten gibt – neben Medikamenten – etwas gegen ihre Erkrankung zu tun. Dazu zählen zuvorderst Herz-Kreislauf-Erkrankungen aber auch Krebserkrankungen, Osteoporose oder Demenz. Es handelt sich meist um chronisch-entzündliche Erkrankungen und körperliches Training ist in diesem Zusammenhang sehr hilfreich und wichtig." (Das ganze Interview hier zum Nachlesen)

In der Rehabilitation haben sich diese Erkenntnisse ebenfalls schon durchgesetzt. Am Universitätsklinik Carl Gustav Carus (UCC) Dresden wurde deshalb ein Rehabilitationsprogramm für Krebspatienten gestartet. Unter dem Motto "Aktiv in der Nachsorge" erhalten Patienten Tipps und Anleitungen, wie sie zu mehr Bewegung finden können. Der Direktor der UCC, Prof. Gerhard Ehninger, betont in der zur Eröffnung verfassten Pressemeldung: "Diese Aktivität in der Phase der Krebsnachsorge wird für Betroffene immer wichtiger. Denn verbesserte Früherkennungs- und Therapiemöglichkeiten haben die Wahrscheinlichkeit eines Wiederauftretens soweit verringert, dass nun die Lebensqualität nach der Behandlung eine wesentliche Rolle spielt."

Im Zuge dieser Erkenntnisse wäre es deshalb wünschenswert, wenn zunehmend mehr Hausärzte ihren Patienten eine individuelle Sporttherapie verordnen würden. Der Weg dorthin könnte über entsprechende Angebote bezüglich Fort- und Weiterbildung für Ärzte führen.

Foto: Simone Ernst

© B. Frommann

Simone Ernst
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