Sicherheitscheck für lokales Anästhesieverfahren

Foto: Injektion

Tumeszenslokalanästhesie (TLA) ist ein weit-
verbreitetes lokales Anästhesieverfahren der
Haut; © panthermedia.net/Brenda Carson

Zwei Wissenschaftler haben die Auswirkungen eines weit verbreiteten regionalen Anästhesieverfahrens der Haut (Tumeszenzlokalanästhesie, TLA) auf das Immunsystem untersucht. Patienten und Ärzte schätzen die Tumeszenzlokalanästhesie, die routinemäßig vor allem bei chirurgischen Eingriffen an der Haut eingesetzt wird, gleichermaßen als Alternative zur Vollnarkose. Der behandelnde Arzt profitiert außerdem davon, dass er den Eingriff ohne Narkosearzt durchführen kann. Bei großflächigen Eingriffen kommt es jedoch zum Einsatz großer Mengen des Medikaments Prilocain. Das wird nicht unkritisch gesehen, da sich nach der Gabe von Prilocain Methämoglobin (MHb) anreichert.

Methämoglobin entsteht aus Hämoglobin durch Oxidation. Im Gegensatz zum Hämoglobin, das in den roten Blutkörperchen dem Sauerstofftransport dient, ist das Methämoglobin funktionsunfähig, da es den aufgenommenen Sauerstoff nicht wieder abgeben kann. Die Umwandlung von Hämoglobin in Methämoglobin unterbindet also den Sauerstofftransport in der Zelle. Aus der Intensivmedizin weiß man, dass eine erhöhte Konzentration von Methämoglobin im Blut zur Ausschüttung von Interleukinen führt – körpereigenen Botenstoffen, die von Zellen des Immunsystems freigesetzt werden und letztendlich Risikofaktoren für entzündungsfördernde Ereignisse darstellen.

Besteht also beim großflächigen Einsatz der Tumeszenzlokalanästhesie möglicherweise die Gefahr von Entzündungsreaktionen im Körper? Doktor Jörg Faulhaber, ehemals Arzt der Hautklinik, und Doktor Marc Schmittner, von der Anästhesiologischen Klinik, ermittelten die Konzentration verschiedener Mediatoren der Immunantwort nach der Gabe von Prilocain bei großflächigen Eingriffen über 72 Stunden hinweg, um auch mögliche späte Effekte erfassen zu können.

Neben den Konzentrationen von Prilocain und MHb bestimmten die Mannheimer Wissenschaftler die Konzentration der körpereigenen Botenstoffe des Immunsystems Interleukin 6 und 8 (IL-6, IL-8) sowie des Tumornekrosefaktors α (TNF-α) im Blutplasma. Dabei konnten sie folgendes zeigen: Auch eine ausgesprochen hohe Dosis von Prilocain führt nicht unbedingt zu einer kritisch erhöhten Konzentration von Methämoglobin im Blut. Das entstandene Methämoglobin induziert zwar einen signifikanten Anstieg von IL-6 im Körper, die Konzentrationen von IL-8 und TNF-α hingegen sind davon unberührt. Wenngleich die Tumeszenzlokalanästhesie den Spiegel an Interleukin 6 signifikant erhöht, bestätigen die Forschungsergebnisse nicht den Verdacht einer akuten oder auch verspäteten Entzündungsreaktion im Körper.

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Verfahren der Tumeszenzlokalanästhesie unter Verwendung des Prilocain für die Gesundheit der Patienten unbedenklich ist. Dennoch setzen die beiden Mannheimer Wissenschaftler ihre Forschungstätigkeit fort, um das Verfahren weiter zu verbessern. Vielversprechende Ergebnisse erzielten sie dabei mit der Kombination verschiedener Lokalanästhetika.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsmedizin Mannheim