Anästhesie: Sicherheitsstandards für ambulante Narkosen

19/04/2013
Foto: Anästhesie

Neue Anästhesie-Empfehlungen sollen die Patientensicherheit auch bei ambu-
lanten Eingriffen gewährleisten;
© panthermedia.net/Tyler Olson

Dass die Patientensicherheit bei der Anästhesie oberste Priorität hat, unterstreichen die neuen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) und des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten e. V. (BDA).

Definiert wurden die Anforderungen an die Patientenüberwachung sowie an die Räumlichkeiten und Geräteausstattung, die auch bei ambulanten Narkosen einzuhalten sind. „Damit leisten wir als medizinische Schlüsseldisziplin einen maßgeblichen Beitrag zur Sicherheit der Patienten“, erklärt der DGAI-Präsident Professor Christian Werner.

Die Anzahl der ambulanten Operationen hat sich in Deutschland zwischen 2002 und 2011 verdreifacht. Mit den neuen Empfehlungen zu den Mindeststandards an den anästhesiologischen Arbeitsplatz reagieren die Fachgesellschaften für Anästhesiologie auf diesen Trend. „Unser Ziel ist, dass bei ambulanten Anästhesien ein vergleichbarer Qualitätsstandard wie im stationären Bereich herrscht und somit die Sicherheit der Patienten gewährleistet ist“, kommentiert Werner die Qualitätsoffensive.

Bei der Ein- und Ausleitung einer Allgemein- und Regionalnarkose muss dem Anästhesisten qualifiziertes Assistenzpersonal zur Seite stehen, das ausschließlich für die Überwachung des einzelnen Patienten zuständig ist. Auch die Besonderheiten und Anforderungen im Bereich der Kindernarkose sowie bei der Anästhesie für Eingriffe im Kopf-Hals-Bereich wurden in den Empfehlungen konkretisiert. Beispielsweise muss das Assistenzpersonal praktische Erfahrungen in der Kinderanästhesie vorweisen und bei mindestens 25 Operationen hospitiert haben. Zudem legen die Richtlinien den Raum- und Gerätestandard fest. „Unsere Empfehlungen haben den Charakter eines Mindeststandards“, so der DGAI-Generalsekretär Professor Hugo Van Aken. Er weist darauf hin, dass „dabei abhängig vom Krankheitszustand des Patienten und von der Art des Eingriffs zusätzliche medizinische, organisatorische und personelle Anforderungen erfüllt sein müssen.“

Um sich zu versichern, dass die Standards den Mindestanforderungen entsprechen, empfiehlt Werner den Patienten und Angehörigen, diese vor der Operation zu erfragen: „Wer führt die Narkose durch? Gibt es ein ausführliches Vorgespräch mit dem Anästhesisten, in dem unter anderem Vorerkrankungen und Medikamente des Patienten besprochen werden? Ist ein qualifiziertes Assistenzpersonal während der OP und im Aufwachraum mit der Überwachung betraut?“ Zudem solle man sich erkundigen, ob es einen Aufwachraum mit Apparaten gebe, die zum Beispiel die Sauerstoffversorgung und den Blutdruck überwachen. Der Experte rät weiterhin, größere Operationszentren mit modernen Anästhesie- und Überwachungsstandards gegenüber kleineren Praxen zu bevorzugen.

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften