Hirn: Signal reguliert Körpergewicht

10.06.2013
Foto: Gehirn

Zur Regulation des Körpergewichts leiten Organe wie der Verdauungstrakt und das Fettgewebe ständig Informa-
tionen über den aktuellen Energiezu-
stand an das Gehirn weiter;
© panthermedia.net/Sebastian Kaulitzki

Wissenschaftler des Instituts für Diabetes und Adipositas am Helmholtz Zentrum München haben gemeinsam mit Partnern aus dem Universitätsklinikum Charité Berlin entdeckt, dass ein Rezeptor bislang unbekannter Funktion an der Regulation des Körpergewichts beteiligt ist.

Wie die Arbeitsgruppe von Doktor Timo Müller nun erstmalig zeigen konnte, spielt das GPR83 genannte Molekül eine entscheidende Rolle bei der Regulation des Energiehaushaltes. So sind Mäuse mit einem Funktionsverlust dieses Rezeptors selbst nach Fütterung einer hoch-fettreichen Diät vor Fettleibigkeit (Adipositas) und Diabetes geschützt. Die Ergebnisse liefern einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Signalnetzwerke die an der Kontrolle von Körperfett und Blutzucker beteiligt sind.

Die Regulation des Körpergewichtes ist ein komplexer Prozess, bei dem Organe wie der Verdauungstrakt und das Fettgewebe ständig Informationen über den aktuellen Energiezustand an das Gehirn weiterleiten. Das Gehirn reagiert auf diese Signale mit der Aktivierung oder Hemmung neuronaler Signalmechanismen, welche akut Hunger und Sättigung steuern. Eines dieser Signale ist das im Magen gebildete Hormon Ghrelin, welches über den Blutkreislauf in das Gehirn gelangt und dort Regelkreise aktiviert, die die Nahrungsaufnahme steuern.

Wie die Wissenschaftler um Professor Matthias Tschöp (Helmholtz Zentrum München) und Doktor Heike Biebermann (Charité Berlin) nun herausfanden, beeinflusst GPR83 den Energiestoffwechsel sowohl durch eine direkte Interaktion mit dem Ghrelin-Signalweg als auch über noch bislang unbekannte Signalmechanismen.

In weiteren Studien sollen nun spezifische Bindungspartner von GPR83 identifiziert werden. Dadurch erhoffen sich die Forscher neue Strategien für die Behandlung von Übergewicht und Diabetes. “Erweist sich die pharmakologische Hemmung von GPR83 als ein sicherer und spezifischer Ansatzpunkt, kann dies neue Wege in der Bekämpfung metabolischer Krankheiten bedeuten”, so Tschöp, Leiter des Instituts für Diabetes und Adipositas.

Die zahlreichen Folgeerkrankungen von Übergewicht, wie Typ-2-Diabetes, gehören zu den großen Volkskrankheiten in Deutschland. Diese stehen im Fokus der Forschung am Helmholtz Zentrum München. Ziel ist es, neue, personalisierte Ansätze für Diagnostik, Therapie und Prävention des Diabetes zu entwickeln.

MEDICA.de; Quelle: Helmholtz-Zentrum München